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Babesiose beim Hund

Babesiose ist den meisten unter dem Namen Hundemalaria bzw. Piroplasmose bekannt. Es handelt sich um eine Infektionskrankheit, die wie Borreliose von Zecken übertragen wird. Rote Blutkörperchen werden von den Blutparasiten zerstört und eine Blutarmut wird hervorgerufen. Unbemerkt ist es eine Krankheit, die drastische Folgen mit sich zieht. Sogar tödlich enden kann. Kaum verwunderlich, dass sie in Frankreich zu den gefürchtetsten Infektionskrankheiten zählt.

Ursprünglich war Babesiose nur als Reisekrankheit bekannt. Damals war sie nur in Mittelmeerregionen, im Süden Österreichs, Ungarn und im Norden Italiens zu Hause. Die Auwaldzecke und Braune Hundezecke waren nicht in Deutschland heimisch. Nach 1970 breitete sie sich in den nördlichen Alpenländern aus. Die Zahl der mit Babesiose infizierten Hunde stieg deutlich an.

Babesiose beim Hund

Das Krankheitsbild und seine Symptome

Babesiose wird durch die Auwaldzecke und Braune Hundezecke übertragen. Mit dem Biss wird der Hund mit dem Babesia-canis oder dem Babesia-vogeli infiziert. Die ersten Anzeichen kommen innerhalb der ersten 5 – 7 Tage. Es ist allerdings nicht Außergewöhnlich, dass die Infizierung sich erst nach 3 Wochen bemerkbar macht.

Der Verlauf der Erkrankung lässt sich in verschiedenem Phasen unterteilen. Zunächst beginnt die akute Form: Der Hund beginnt sich unwohl zu fühlen. Abgeschlagenheit macht sich breit. Die Schleimhäute werden blas bis gelblich. Fieber erschwert den Zustand. Wegen des fehlenden Hungers stellt sich schnell ein Gewichtsverlust ein. Innerhalb von zwei Tagen greifen die einzelligen Parasiten die roten Blutkörperchen an. Zunächst vermehren sich die ungebetenen Gäste und zerstören dann die Erythrozyten. Blutarmut (Anämie) ist die Folge. Als zusätzliches Symptom kommen bei manchen infizierten Hunden noch Blut im Urin hinzu. Aber auch ohne das sichtbare Anzeichen lässt sich der Abbau der roten Blutblättchen im Harn feststellen. Während des Abbauprozesses des Blutfarbstoffes entsteht Bilirubin, welches ausgeschieden wird. In dem Zusammenhang kommt es immer wieder zu Vergrößerungen von Milz und Leber. Gelbsucht (Ikterus) ist die Folge. Bauchwassersucht und Wasseransammlungen (Ödeme) sind neben Haut- und Schleimhautblutungen Anzeichen für einen schwereren Verlauf. Gleichzeitig kommt es zu Blutgerinnungen innerhalb der Blutgefäße. Manchmal kommt es vor, dass die Augen betroffen sind. Die Regenbogenhaut und Hornhaut entzünden sich. In schweren Fällen löst sich die Netzhaut ab. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass es zu Entzündungen der Maul- und Magenschleimhäuten, sowie der Muskulatur kommt. Anfälle, die an Epilepsie erinnern, Störungen im Bewegungsablauf und Lähmungen sind typische Begleiterscheinungen. Ein Anzeichen, dass das zentrale Nervensystem betroffen ist.

Ist die Babesiose akut und wird nicht behandelt kommt es innerhalb weniger Tage zum Tod durch Atemnot, Anämie und Nierenversagen. Wird die Babesiose durch den Erreger Babesia-canis-rossi ausgelöst handelt es sich um den seltenen perakuten Verlauf, der innerhalb von zwei Tagen ohne merklichen Symptome tödlich endet.

Im Zusammenhang mit der Babesiose fällt gerne der Begriff perakut. Das Bedeutet, dass die Erkrankung sehr plötzlich und rasant verläuft. Nur der Beginn hat einen klar definierten Zeitpunkt.

Wird von einer chronischen Babesiose gesprochen ist der Erreger bereits einmal ausgebrochen. Es gibt zwar Behandlungsmöglichkeiten, die den Parasiten vollständig entfernen können. Aber eine vollständige Heilung kommt leider eher selten vor.

Der Erreger Babesien

Babesien zählen zu den Einzellern und ist ein Blutparasit. In Europa sind zwei Erreger bekannt, die als Auslöser der Erkrankung verantwortlich sind: Babesia canis und Babesia vogeli.

Die Zeckenarten Auwaldzecke und die braune Hundezecke gelten als Überträger der ungewollten Gäste. Während des Saugen von Blut wird der Parasit auf den Hund übertragen. Im Blut des Hundes findet die Vermehrung der Parasiten in den roten Blutkörperchen statt, die im Anschluss zerstört werden.

Die Auwaldzecke – Dermacentor reticulatus – gehört in die Kategorie der Buntzecken. Charakteristisch ist die marmorierte Zeichnung auf dem Rückenschild. Hauptsächlich ist sie in den Frühlingsmonaten März und April, sowie im Herbst September und Oktober aktiv.

Die braune Hundezecke – Rhipicephalus sanguineus – liebt das warme Klima des Mittelmeers. So, wie es in den Mittelmeerländern wie Portugal üblich ist. In nördlicheren Ländern, wie Deutschland, galt sie lange Zeit als Mitbringsel aus dem Urlaub. Am wohlsten fühlt sie sich dabei in warmen Räumen oder wärmeren Regionen. Wen verwundert es noch, dass sie sich im Süden bzw. Südwesten Deutschlands beheimatet hat? Aber auch einige kleine Regionen in den Niederlanden gelten heute als zu Hause. Die braune Hundezecke ist das ganze Jahr aktiv. Daher wird sie auch im Winter in beheizten Räumen angetroffen. Für diese Zeckenart ist es die erstaunliche Schnelligkeit, die sie unglaublich macht. Sie ist in der Lage, innerhalb einer Minute einen Meter näher an sein Opfer zu gelangen.

Beide Zeckenarten lieben von Natur aus wärmere Regionen. Daher sind sie hauptsächlich im Mittelmeerraum zu Hause. Auch in Nordspanien, Norditalien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Schweiz und Österreich zu Hause.

Normalerweise wird der Erreger von der Zecke übertragen. Allerdings ist es auch möglich, den Parasiten von Hund zu Hund zu übertragen. Zum Beispiel durch Bisswunden. Menschen und andere Tiere sind davon ausgeschlossen.

Die Diagnose

Für eine richtige Diagnose ist der Besuch beim Tierarzt unumgänglich. Der Tierarzt wird nach den Symptomen und die Dauer fragen. Auch ob ein Urlaub vorangegangen ist und eventuell wo. Ebenfalls ob Zecken bemerkt worden sind. Es besteht die Möglichkeit verschiedene Färbetests durchzuführen. Sie machen die Parasiten sichtbar.

Neben den Symptomen ist die Untersuchung des Blutes ein Bestandteil für eine gesicherte Diagnose. Unter einem Mikroskop lässt sich die Babesien-DNA nachweisen. Dafür wird mithilfe eines nach Giemsa gefärbten Blutausstrich aus Kapillarblut gewonnen. Für das Kapillarblut reicht schon ein kleiner Picks an einer gut durchbluteten Stelle, wie zum Beispiel den Ohren, aus. Es wird auf Piroplasmen getestet. Kann eine Erkrankung nicht ausgeschlossen werden und die mikroskopische Untersuchung liefert negative Ergebnisse, wird nach 10 Tagen ein PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion) durchgeführt. Alternativ wird auf sich im Blut gebildete Antikörper getestet.

Eine Therapie mit Erfolg?

Die Behandlung ist unter anderem davon Abhängig, wie die Erkrankung verläuft. Die Babesien-Art, der allgemeine Gesundheitszustand und das Alter sind Faktoren, die die Behandlung beeinflussen und darüber entscheiden, ob sie überhaupt notwendig ist. Es wurde bereits von Hunden berichtet, bei denen sich die Erkrankung an Babesiose von selbst verschwunden ist. Da der Verlauf aber auch tödlich verlaufen kann ist ein Besuch beim Tierarzt unumgänglich. Durch Beobachtung lassen sich die entstehende Symptome früh erkennen und rechtzeitig behandeln.

Wird die Babesiose rechtzeitig erkannt kann eine Behandlung durch den Tierarzt erfolgen. Für die Behandlung kommen Mittel der Gruppe Antiprotozoika zum Einsatz. Es handelt sich um Mittel, die einzellige Parasiten unschädlich macht. Beliebte Wirkstoffe sind dabei Imidocarbdiproprionat und Phenamidin. Je nach Entwicklungsstand und -verlauf der Erkrankung erfolgt die Verabreichung in unterschiedlicher Häufigkeit.

Zusätzlich werden die Beschwerden der Hunde-Malaria symptomatisch behandelt um eine zügig eine Linderung zu erreichen. Da das Blut stark angegriffen wurde und häufig eine Armut vorliegt werden Bluttransfusionen eingeleitet. Nebenbei gibt es zum Ausgleich vom Flüssigkeitsverlust noch herkömmliche Infusionen.

Allerdings besteht die Möglichkeit, dass der Hund weiterhin den Babesien-Erreger in sich trägt. Leider ist nicht immer möglich, den Parasiten vollständig zu beseitigen. Die Gesundheit des Hundes muss daher ständig im Blick behalten werden. Regelmäßige Besuche beim Tierarzt können empfehlenswert sein.

Zur Vorbeugung

Die Gefahr, dass der Hund sich an der Auwaldzecke infiziert, lässt sich minimieren. Empfehlenswert sind sogenannte Repellentien. Sie sind bekannt als Spot-on-Präparate und sollen auf die Zeckenart abschreckend wirken. Häufig werden die Wirkstoffe Imidacloprid und Permitrin verwendet. Normalerweise wird das Mittel im Abstand von vier Wochen verabreicht um einen vollständigen Schutz zu erhalten. In manchen Ländern ist eine höhere Dichte an Zecken vorhanden. Wer mit seinem Hund in solche Länder reisen möchte, sollte das Spot-on-Präparat alle zwei Wochen verabreichen um den Schutz zu verstärken. Die Medikamente schützen nicht immer zuverlässig vor einer Ansteckung. Das Risiko, dass der Hund schwerwiegend erkrankt, kann jedoch gesenkt werden. Eine eigenständige Indikation ist nicht sinnvoll. Immer wieder kommt es zu Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten. Ein seriöser Tierarzt berät über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Mittel.

Zusätzlich sollte der Hund nach jedem Spaziergang nach Zecken untersucht werden und sofort entfernen. Insbesondere dann, wenn Mittelmeerregionen besucht werden. Lediglich in Schweiz und in den Mittelmeerländern gibt es einen zugelassenen Impfstoff gegen die Babesiose. Nur selten ist dieser in Deutschland erhältlich.

Weiterführende Informationen

Mittel gegen Zecken für Hunde
Zeckenhalsband
Bernstein gegen Zecken


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