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Der Eurasier

Ausgewachsener Eurasier

Ausgewachsener Eurasier | Foto: pernillasky / bigstock.com

Europa und Asien sind genau genommen ein einziger riesiger Kontinent. Dieses gesamte Gebiet ist unter dem Namen Eurasien bekannt. Genau diese Region ist der Ursprung für einen ganz besonderen Hund – den Eurasier. Er hat seinen Namen, weil seine Ursprungsrassen sowohl aus Europa als auch aus Asien stammen. Dieser Hund, der alle positiven Eigenschaften seiner Vorfahren vereint, ist ein idealer Familienhund und erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Geschichte des „neuen Polarhundes“

Die Geschichte dieser Hunderasse begann in Deutschland. Julius Wipfel, der als Begründer des Eurasiers gilt, fasste den Plan eine neue Hunderasse zu züchten. Dabei unterstützt wurde er von Charlotte Baldamus und einer Schar Hundefreunden. Man wünschte sich einen familienfreundlichen Hund nordischen Typs – allerdings keinesfalls einen Schoßhund. Inspiriert wurde Wipfel durch Studien von Konrad Lorenz. Der Begründer der Verhaltensforschung und Nobelpreisträger hatte diese mit einem Chow-Mischling durchgeführt. So begann man gezielt Wolfsspitz-Hündinnen mit Chow-Chow-Rüden zu kreuzen. Der Wolf-Chow war geboren. Er war der erste Schritt auf dem Weg zum Eurasier. Rund 12 Jahre nach diesen ersten Züchtungen begann man, Samojeden einzukreuzen. Im Jahr 1973 wurde der Eurasier durch den VDH und die FCI anerkannt. In Deutschland wird die Rasse von drei Vereinen betreut: Zuchtgemeinschaft für Eurasier, Eurasier-Klub und Kynologische Zuchtgemeinschaft Eurasier. Neben diesen existieren noch weitere Zuchtvereine, die den Eurasier zum Mittelpunkt haben. Unter dem Dach des VDH kommen pro Jahr rund 400 Welpen zur Welt, außerhalb des Vereins noch einmal ebenso viele.

Ein wolfsähnlicher, aber sanftmütiger Familienfreund

Der Eurasier zählt zu den mittelgroßen Hunden. Auf den ersten Blick erinnert er an eine Mischung aus Spitz und Wolf und wirkt wild und urwüchsig. Mit einem Gewicht von rund 23 bis 32 Kilogramm sollte der Rüde eine Widerristhöhe zwischen 50 und 60 Zentimetern haben. Die Hündin wiegt zwischen 18 und 26 Kilogramm und der Widerrist liegt zwischen 48 und 56 Zentimetern. Der Körperbau wirkt sehr harmonisch. Das Fell ist mittellang mit dichter Unterwolle. Fang, Ohren, Gesicht und die Vorderseiten der Läufe sind kurz behaart. Die Rückseite der Vorderläufe, die Hinterläufe sowie die Rute sind dagegen langhaarig. Am Hals ist die Behaarung kaum länger als am Körper. Der Eurasier kommt in vielen Farbschlägen vor. Dabei kann er rot bis falben, wolfsgrau, wolfsfarben, schwarz oder schwarz mit hellen Abzeichen sein. Zugelassen sind fast alle Farben und Kombinationen. Eurasier dürfen jedoch nicht reinweiß, leberfarbig oder weiß gescheckt sein. Die Fellfarbe ist für die Zucht nachrangig. Deutlich wichtiger sind sein Wesen, die Gesundheit und das rassetypische Aussehen.

Eurasier Welpe mit gefleckter Zunge

Eurasier Welpe mit gefleckter Zunge | Foto: cynoclub / bigstock.com

Gelungene Zucht

Für die Zucht des Eurasiers wurden Wolfsspitz, Chow-Chow und Samojede hinzugezogen. Das Zuchtziel war ein familienfreundlicher Hund, der die besten Eigenschaften aller drei Rassen in sich vereint. Das ist den Züchtern bestens gelungen – der Eurasier überzeugt und hat damit einen festen Platz unter den Rassehunden eingenommen. Optisch wirkt der Eurasier zwar urwüchsig, sein freundliches Wesen jedoch zeigt sich sehr zeitgemäß. Der Eurasier ist feinfühlig und umgänglich. Er ist problemlos zu führen und ein hervorragender Familienhund, der selbst in unserer hektischen Zeit Ruhe bewahren kann. Während sich viele Hunderassen auf eine Bezugsperson konzentrieren, verteilt der Eurasier seine Treue und Liebe auf die gesamte Familie.

Ein angenehmes Wesen, das zu jedem passt

Der Eurasier ist selbstbewusst, ruhig und ausgeglichen. Durch sein angenehmes Temperament und seine Ruhe ist dieser Hund relativ einfach zu erziehen. Die Erziehung sollte trotzdem bereits im Welpenalter beginnen und auch Konsequenz darf nicht fehlen. Geduld und viel Liebe erleichtern die Erziehung des Eurasiers, ebenso wie die eines jeden anderen Hundes. Der Eurasier nimmt die Führung durch seinen Halter gerne an. Dennoch wird er stets seinen eigenen Kopf behalten. Vertrauen und Zuneigung sind die beiden Hauptzutaten für eine erfolgreiche Erziehung. Hat der Eurasier schon früh Gelegenheit viele Artgenossen möglichst ungezwungen kennenzulernen, wird er ein sehr gutes Sozialverhalten entwickeln. Der Eurasier bevorzugt es mit seinen Menschen etwas zu unternehmen oder wenn man sich viel mit ihm beschäftigt. Er liebt die Abwechslung, ist aber kein Hund, der unbedingt regelmäßig geistige Auslastung fordert. Er gibt sich auch schon mit dem Alltag als Familienhund zufrieden. Dennoch freut er sich natürlich über spannende Spiele genauso wie jeder andere Hund.

Der Eurasier ist kein Hund für den Spitzensport

Was die körperliche Auslastung des Eurasiers betrifft, so ist er ein guter Begleiter beim Rad fahren, Joggen oder Wandern. Auch als Begleiter beim Ausreiten macht er gute Figur. Hundesport ist für den Eurasier ebenso interessant. Allerdings sollte dieser etwas abwechslungsreich gestaltet sein. Der Eurasier will keine sturen Wiederholungen von Übungen. Das entspricht nicht seiner Natur. Spitzensport ist kein Thema für diesen Hund und so wird er wahrscheinlich kein erfolgreicher und gefeierter Agility-Star werden. Er ist auch sicher kein Hund, der als Schutzhund geeignet ist. Wichtig bei jeder Beschäftigung oder Ausbildung ist die Anwesenheit seiner Bezugspersonen. Er sollte nie zur Ausbildung in fremde Hände gegeben werden. Dasselbe gilt auch für Urlaub oder Abwesenheiten. Er ist so stark auf seine Familie fixiert, dass eine Hundepension für ihn sehr belastend und daher eine schlimme Erfahrung wäre. Bellen hört man den Eurasier selten. Er meldet aufmerksam Fremde, bellt aber nicht lange oder anhaltend. Fremden begegnet er neutral oder zurückhaltend. Das Jagdverhalten dieses Hundes ist kaum ausgeprägt.

Ein Hund, der leicht zu pflegen ist

Der Eurasier zählt zu den langhaarigen Rassen. Dennoch ist die Pflege unkompliziert, denn dieser Hund ist sehr reinlich. Das Fell besteht aus dichter Unterwolle, die vom Grannenhaar bedeckt wird. Dieses wird durch einen Fettfilm geschützt und hat dadurch Schmutz abweisende Eigenschaften. Sehr positiv wirkt sich das völlige Fehlen des üblichen Hundegeruchs aus. Ein erwachsener Eurasier muss lediglich zweimal pro Woche gebürstet werden. Während des Fellwechsels ist tägliches Bürsten optimal. Auf Baden kann man verzichten. In puncto Ernährung ist der Eurasier sehr unkompliziert. Der Eurasier sollte täglich dreimal spazieren gehen dürfen, wovon ein Spaziergang gerne ausgedehnter – also etwa eineinhalb Stunden lang – sein darf.

Junger Eurasier sitzt auf dem Rasen

Junger Eurasier sitzt auf dem Rasen | Foto: cynoclub / bigstock.com

Ein Hund mit robuster Gesundheit

Der Eurasier ist robust und sehr vital. 12 bis 15 Jahre Lebenserwartung sind bei diesem Hund keine Seltenheit und für einen Hund seiner Größe relativ hoch. Rassetypische Erkrankungen spielen bei dieser Rasse eine untergeordnete Rolle und werden in den Zuchtvereinen bekämpft. Eine Augenuntersuchung ist verpflichtend. Wichtig ist es, beim Eurasier darauf zu achten, dass er kein Übergewicht entwickelt. Dies würde die Gefahr von Hüftdysplasie steigen lassen.

Für wen ist dieser Hund geeignet?

Der Eurasier ist ein Hund, der grundsätzlich für jeden Hundefreund geeignet ist. Er fühlt sich bei alleinstehenden Menschen ebenso wohl wie in einer Familie. Durch seine Ruhe ist er auch ein guter Begleiter für ältere Menschen. Gerne dürfen auch andere Haustiere im selben Haushalt leben. Der Eurasier ist ein idealer Partner für Kinder. Ihnen gegenüber wird er geduldig und sehr gutmütig reagieren. Ebenso wird er gerne mit ihnen spielen. Der Eurasier wird sich in jeder Wohngegend wohlfühlen. Ihm ist es, egal ob es ein Haus am Land oder eine Etagenwohnung in der Stadt ist. Wichtig für ihn ist die Nähe zu seiner Familie und ausgiebige Spaziergänge. Durch seine Anhänglichkeit ist er kein Hund für Menschen, die viel reisen und den Hund nicht mitnehmen wollen oder können. Ebenso ist er kein Hund für die Zwingerhaltung. Daran würde er zerbrechen. Bis heute wird der Eurasier nur nach Bedarf gezüchtet. Damit folgen heutige Züchter den Idealen von Wipfel und züchten nur dann, wenn es genügend Interessenten für einen Wurf gibt. Wer sich für einen Eurasier entscheidet, muss damit rechnen eine Weile auf seinen Hund warten zu müssen. Ganz im Sinne des Rassegründers – ein Leben lang die Verantwortung für einen Welpen zu haben – stehen Züchter den Haltern gerne auch nach Vermittlung zur Seite.


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