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Der Kaukasische Schäferhund

Hütehunde sind kleine bis mittelgroße Hunde, die Herden zusammenhalten, einzelne Tiere wieder zur Herde treiben und den Hirten damit bei seiner Arbeit unterstützen. Im Gegensatz dazu übernimmt ein Herdenschutzhund noch eine weitere Aufgabe. Er beschützt die Herde und vertreibt Wölfe oder andere Raubtiere. Aus diesem Grund muss ein Herdenschutzhund groß und kräftig sein. Nur so kann er die ihm anvertraute Herde verteidigen. Herdenschutzhunde verbringen ihr ganzes Leben mit der Herde und sind zu einem großen Teil vom Hirten völlig unbeobachtet und damit unabhängig. Nur ein sehr selbstständiges und eigenständiges Tier kann diese Aufgabe erfolgreich erledigen. Zu den Hunden mit diesen speziellen Eigenschaften gehört der Kaukasische Schäferhund oder Owtscharka.

Kaukasischer Schäferhund

Kaukasischer Schäferhund | Foto: Kate Ovcharenko / bigstock.com

Der Kaukasische Schäferhund ist ein Hund für erfahrene Hundehalter

Dieser riesig anmutende und kräftige Hund stammt aus dem Gebiet der einstigen Sowjetunion. Bis heute ist er vorwiegend in dieser Region vertreten. Hier ist der Typ des Hundes von Region zu Region sehr verschieden. Während in den Steppengebieten ein höherer und leichterer Kaukasische Schäferhund zu finden ist, zeigt er sich im Bergland deutlich kompakter. Das Wesen ist jedoch stets gleich, denn das ist für seinen Aufgabenbereich sehr wichtig. Viele Jahrhunderte lang war es das bedeutendste Kriterium für die Zucht. So hat auch ein Kaukasische Schäferhund, der etwa in Deutschland lebt, keine wichtigere Aufgabe als seine Familie und deren Eigentum zu schützen. Genau diese Tatsache kann unter Umständen sehr problematisch werden. Er ist daher ein Hund, der nur in erfahrene Hände gehört. Andernfalls kann er sogar zur Gefahr werden.

Bewacher der Kuh- und Schafherden

Der Name Owtscharka bedeutet übersetzt „Hund des Schäfers“ oder „Hund des Hirten“. Allerdings ist dieser Name eigentlich ein wenig irreführend, denn der Kaukase ist ein Herdenschutzhund. Ursprung dieses Hundes ist – wie der Name schon sagt – der Kaukasus, eine Gebirgsregion in Russland. Nachweislich existieren diese Hunde seit mehr als 600 Jahren. In Wirklichkeit sind sie aber wahrscheinlich deutlich älter. In früherer Zeit wurde er zum Bewachen und Beschützen der Schaf- und Kuhherden in Russland gezüchtet. Daneben übernahm er auch den Schutz von Haus und Hof. In der einstigen Sowjetunion wurde er gerne als Personenschutzhund eingesetzt. Während des Kalten Krieges war der Kaukasische Schäferhund auch in der DDR sehr beliebt und galt auch hier in erster Linie dem Personenschutz.

Seine Seltenheit hat einen Grund

Erst im Jahr 1984 wurde der Kaukasische Schäferhund offiziell vom FCI als Rasse anerkannt. Betreut wird die Rasse in Deutschland vom Kaukasischen Owtscharka Club. Deutschlandweit kommen jährlich nur etwa höchstens 60 Tiere in der seriösen Zucht zur Welt. So ist der Kaukasische Schäferhund heute kaum zu sehen. Eine artgerechte Haltung ist in unseren Breiten kaum gegeben. Zudem ist es heute nicht mehr erwünscht, dass ein Hund im Ernstfall verlässlich Heim und Haus beschützt und womöglich sogar „scharf“ ist. Jegliche Aggression eines Hundes kann in unserer heutigen Zeit gefährlich für den Hund werden und so ist der Kaukase auch auf einigen Rasselisten vermeintlich gefährlicher Hunde zu finden.

Der Kaukase ist groß und kräftig

Der Kaukasische Hirtenhund zählt zu den großen Hunderassen. Er hat eine sehr kräftige und manchmal sogar grobkräftige Erscheinung. Der Knochenbau ist massiv und die Muskulatur stark ausgeprägt. Rüden erreichen eine Widerrist-Höhe von mindestens 65 Zentimetern, Hündinnen nicht unter 62 Zentimeter. Dabei ist der Unterschied zwischen Rüden und Hündinnen relativ leicht erkennbar. Rüden präsentieren sich deutlich schwerer und massiver und sind auch größer. Je nach Herkunft können sich die Kaukasen sehr unterschiedlich zeigen. Auch beim Fell gibt es Unterschiede. Die langhaarigen Hunde haben langes Deckhaar. Am Hals bildet es eine Mähne und auch an den Beinen ist das Fell lang. Die Rute ist dick und buschig. Die Hunde mit Kurzhaar haben verhältnismäßig kurzes Haar. Die Mähne fehlt und auch die Rute ist deutlich weniger behaart. Es gibt jedoch noch eine dritte Variante, die zwar langes Haarkleid aufweist, aber keine Mähne hat und eine buschige Rute zeigt.

Farbvarianten sind erlaubt

Bei den Farben der Tiere ist beinahe alles erlaubt. Der Kaukasische Schäferhund darf unterschiedliche Grautöne ebenso haben wie weiß, erdfarben, rostfarbig oder gelb. Er darf gestreift, scheckig oder gepunktet sein. Nicht erlaubt sind allerdings die Farben schwarz und braun. Der Kaukase hat einen Kopf, der ebenso massiv wirkt wie seine gesamte Erscheinung. In den Ursprungsländern des Kaukasen sind die Hängeohren stets kupiert. Das Kupieren der Ohren und der Rute von Hunden ist in Deutschland jedoch verboten. Der kaukasische Schäferhund hat dunkle und mittelgroße ovale Augen. Der Hals ist kräftig und kurz, Rücken und Bauch sehr breit. Die hoch angesetzte Rute trägt der Hund aus Russland hängend.

Wenn es um Bewachung geht, versteht der Kaukasische Schäferhund keinen Spaß

Ein Kaukasische Schäferhund nimmt seine Aufgaben sehr ernst. Hütet er eine Herde, liegt er auf erhöhter Stelle und beobachtet die Umgebung. Der Schutz der Herde und seiner Familie sowie deren Hab und Gut steht bei ihm an erster Stelle. Er liebt seine Familie und folgt ihr stets treu ergeben. Fremden allerdings begegnet er mit Misstrauen. Bemerkt er feindliche Stimmung, zögert er nicht, sofort zuzuschlagen. Betrachtet man den Charakter dieses interessanten Hundes genauer, muss man unbedingt seine Herkunft vor Augen haben. Die weitläufigen Landschaften Russlands, die einsamen Gehöfte oder Anwesen und die endlosen Weiten, die dazwischenliegen, prägen das Land. Hier ist ein kräftiger und selbstbewusster Hund gefragt, der in dieser Einsamkeit das Haus bewacht und Eindringlinge in die Flucht schlägt. Dieses Verhalten hat der Kaukasische Schäferhund im Blut.

Kaukasischer Schäferhund im Schnee

Kaukasischer Schäferhund im Schnee | Foto: MegSopki / bigstock.com

Ohne Freiraum funktioniert die Haltung nicht

Um einen Herdenschutzhund artgerecht zu halten, bedarf es eines abgelegenen Hofes und viel Freiraums. Selbst in ländlichen Gebieten ist die Besiedlung so dicht, dass es bei diesen Hunden zu einer Überforderung kommen kann. Er beginnt, seine Ressourcen zu verteidigen. Das geringste Übel dabei ist ständiges Bellen. Diese Hunde sind darauf geprägt, Gefahr anzuzeigen. In ihrer Heimat ist das wichtig, damit der Hirte dann entscheiden kann, was weiter passiert. In unseren Breiten ist der Halter bei zu häufigem Bellen jedoch nicht selten verunsichert. Gerade dann, wenn sich alle paar Minuten Fußgänger, andere Hunde oder Autos am Zaun entlang bewegen, kann das zu Dauerbeschallung durch den Hund führen. Häufig wird darauf dann auch noch falsch reagiert.

Probleme bei der Haltung

Der Hund beginnt, Aggressionen zu zeigen. Schon erfüllt er damit die Vorurteile, die diesen Riesen sowieso schon entgegen gebracht werden. Genau darum sollte ein Kaukasische Schäferhund nur in sehr erfahrene Hände gelangen. Sein Halter sollte ein selbstsicherer Hundeliebhaber sein, der Ruhe bewahren kann. Gewisse körperliche Voraussetzungen sollte der Halter eines solchen Hundes auch erfüllen, denn die Erziehung des kleinen Bären erfordert manchmal auch Körpereinsatz im positiven Sinn. Keinesfalls sollte der angeborene Schutztrieb des Hundes gefördert werden. Eine Schutzhundeausbildung kann unter Umständen sogar gefährlich werden. Ein Kaukasische Schäferhund sollte stets – wie alle anderen Hunde auch – in erster Linie Hund sein dürfen. Seine Arbeit erledigt er sicher gerne gemeinsam mit seinem geliebten Menschen. Ideal für einen Herdenschutzhund ist ein vierbeiniger Kollege. Kein Herdenschutzhund hütet eine Herde alleine.

Robuster Hund mit hoher Lebenserwartung

Der Kaukasische Schäferhund ist ein sehr robuster Kerl. Das gilt auch für seine Gesundheit. So lässt es sich auch erklären, dass er für seine Größe eine sehr hohe Lebenserwartung von rund 12 Jahren hat. Es sind keine Krankheiten bekannt, für die der Russe eine Prädisposition hat. Auch die Pflege dieses Hundes gestaltet sich sehr einfach. Lediglich rund um den Fellwechsel sollte er gut durchgebürstet werden.

Die Anschaffung sollte wohl überlegt sein

Die Anschaffung eines Kaukasischen Schäferhundes sollten wirklich nur erfahrene Hundehalter in Erwägung ziehen, die dem Tier das richtige Umfeld geben können. Diesen Hund in die Hände eines Anfängers zu geben wäre verantwortungslos. Der Kaukasische Schäferhund sollte seinen Platz in einem abgeschieden gelegenen Anwesen finden. Hier kann er seine Aufgabe mit Bravour erledigen und wird ein wunderbarer Familienhund werden. Zu bedenken gilt auch, dass der Kaukasische Schäferhund in Ländern wir den Niederlanden oder Dänemark auf der Liste der gefährlichen Hunde zu finden ist. Reisen mit Hund in diese Länder müssen unbedingt unterlassen werden.


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