Hundestaupe

Hundestaupe | Foto: mraoraor / bigstock.com

Bei der Hundestaupe handelt es sich um eine bereits lang bekannte Viruserkrankung. Schon im 18. Jahrhundert wurde der Virus entdeckt. Innerhalb Deutschlands ist sie bei vielen Hundehaltern für eine lange Zeit fast in Vergessenheit geraten. Denn sie galt als fast ausgestorben. In den letzten Jahren sind aber wieder immer mehr Hunde mit dem Virus infiziert. Das Warum kann dabei keiner eindeutig beantworten. Letztlich werden es mehrere Faktoren sein, die dazu geführt haben.

Was ist die Hundestaupe?

Die Hundestaupe ist unter verschiedenen Namen bekannt. Caniden Distemper, Mocuillo und als Carrèsche Krankheit (nach dem Entdecker Carrè) bekannt. Ausgelöst durch einen Virus gilt es allgemein als Infektionskrankheit, die durch ein mögliches tödliches Ende gefährlich ist. Es handelt sich um eine Erkrankung, die weltweit verbreitet ist. Dabei sind nicht nur Hunde betroffen, sondern auch Füchse und Wölfe. Genauso können aber auch Waschbären, Katzen und sogar Robben den Virus in sich tragen. Sogar Frettchen, Otter und Stinktiere.

Der Virus wird gerne als Staupevirus bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Virus aus der Familie der Paramyxoviren. Zur gleichen Familie gehören auch die Vieren, die bei Menschen Mumps auslösen. Sie sind sich sogar sehr ähnlich.

Damit der Hund sich mit dem Virus infizieren kann, bedarf es in der Regel Kontakt zu einem Überträger. Der Virus wird über den Kot, Urin und Nasensekret ausgeschieden und bleibt für kurze Zeit bestehen. Durch seine Lichtempfindlichkeit wird das Risiko des Virus zügig minimiert. Da viele Waldbewohner von der Staupe betroffen sind kommt es dort sehr häufig zur Ansteckung. Aber auch Reisen nach Osteuropa und ans Mittelmeer steigern das Risiko. Hat sich der Hund einmal infiziert, vermehren sich die Viren zunächst im Rachen und in den Lymphknoten der Bronchien. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 3 bis 6 Tage. Erst ab dem 8. Tag sind die Ausscheidungen des Hundes ansteckend.

Infizieren können sich alle Hunde, jeden Alters. Bei Hunden, die unter 10 Monate alt sind, gibt es allerdings eine merkliche Häufung.

Der Verlauf und seine Symptomatik

Die Staupe muss rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Im schlimmsten Fall ist die Viruserkrankung tödlich.

Die Hundestaupe lässt sich in vier verschieden Verläufe unterteilen, die fast gleichzeitig oder nacheinander eintreten können. Entsprechend kommt es zu unterschiedlichen Symptomen. Irreführend ist es, wenn Anzeichen einzeln auftreten, was bei der Staupe keine Seltenheit ist.

Die gastrointestinale Form der Staupe betrifft den Magen-Darm-Bereich. Erste typische Anzeichen sind häufig Erbrechen und schleimigen, sehr flüssigen Durchfall. Wegen des schellen Verlustes an Flüssigkeit kommt es zur Austrocknung. Schlappheit und allgemeine Schwäche sind Folgen. Gelegentlich machen sich die Atemwege zeitgleich bemerkbar.

Sind die Atemwege betroffen wird von der respiratorischen Form gesprochen. Das Nasensekret ist eitrig und verkrustet sich um die Nase. Das Gleiche geschieht um die Augen herum. Sind einmal die Augen betroffen kann es zu Infektionen führen, die Entzündungen an Bindehaut und Hornhaut auslösen können. Auffällig ist die Empfindlichkeit gegenüber Licht. Unbehandelt treten bei schlimmen Verläufen Erblindungen ein. Der Husten ist zu Beginn trocken und wird immer stärker. Häufig begleitet von eitrigem und oder blutigem Auswurf. Ein Zeichen dafür, dass Bakterien sich in den geschwächten Schleimhäuten befinden. Eine Lungenentzündung ist die Folge. Ist die Erkrankung im Endstadium angekommen bricht der Kreislauf regelmäßig zusammen. Der Tod ist hier meistens unumgänglich. Doch Vorsicht: Eine laufende Nase steht nicht nur für die Hundestaupe, sondern auch für einen einfachen Schnupfen, Zwingerhusten oder einen faulenden Zahn.

Wenn der Hund die gastrointestinale und respiratorische Form überstanden hat bessert sich der Zustand meistens merklich. Das gefährlich ist, dass die Erkrankung nicht unbedingt symptomatisch Aufgefallen oder geheilt sein muss. Meistens zeitnah – manchmal aber auch Monate später – tritt die nervöse Form ein. Betroffen sind in dem Stadium das Gehirn und das zentrale Nervensystem. Entzündungen in den Bereichen können weitreichende Folgen haben. Als Folgeschädigung können Epilepsie, nervöse Ticks, Lähmungserscheinungen und eine deutlich geminderte Lernfähigkeit sein. Allerdings tritt in dem Zustand fast genauso häufig der Tod ein.

In sehr seltenen Fällen kommt es bei der Hundestaupe zur hard pad disease, der Hartballenform. Sie tritt etwa 14 Tage nach Ausbruch der magendarmbetreffenden Form auf. Charakteristisch ist die Hyperkeratose. Das heißt, auf der Nase und oder Fußballen findet eine starke Hornhautbildung statt. Diese wird wiederum brüchig und zeigt auffällig tiefe Risse und Furchen.

Alle Verlaufsstadien können zusätzlich von Fieber und mangelndem Appetit begleitet werden. Wissenswert ist, dass die Ausprägung der Staupe bei jedem Hund anders verläuft. Am anfälligsten sind allerdings geschwächte Hunde und Welpen.

Hundestaupe | Foto: mraoraor / bigstock.com

Die richtige Diagnose

Es ist nicht einfach, die richtige Diagnose zu stellen. Werden die Symptome einzeln gesehen, können verschiedene Krankheitsbilder in Betracht gezogen werden. Der Tierarzt wird unter Durchführung einer Differentialdiagnose bei Verdacht auf Staupe verschiedene Proben nehmen. Häufig sind es Abstriche von Schleimhäuten, wie zum Beispiel der Augen, den Geschlechtsteilen oder der Mandeln. Im Gegensatz zu den üblichen Laboruntersuchungen kann der Staupeerreger nur in speziell ausgestatteten Laboren nachgewiesen werden.

Die Behandlung

In erster Linie werden bei der Erkrankung an Staupe lediglich die Symptome behandelt. Dafür kommen häufig Dauertropfinfusionen und Antibiotika zum Einsatz. Manche Tierärzte verwenden im frühen Stadium Interferone und vorgefertigte Abwehrstoffe. Da der Verlauf der Viruserkrankung nicht vorhersehbar ist bieten sich solche Medikamente als Unterstützung an.

Neben den Medikamenten sind auch noch andere Dinge wichtig. Ist die Nase betroffen, das Nasensekret entfernen; Bei Durchfall viel Wasser zum Trinken anbieten um einem Flüssigkeitsmangel vorzubeugen usw. Der Tierarzt wird noch einige hilfreiche Tipps geben.

Einen garantierten Erfolg auf Heilung durch die Behandlung gibt es nicht. Der allgemeine Gesundheitszustand, der Verlauf und insbesondere der Zeitpunkt der Krankheitserkennung sind entscheidend. Es ist keine Seltenheit, dass nur noch versucht werden kann die Folgeschädigungen möglichst gering zu halten und den Tod möglichst zu vermeiden.

Wichtig für eine gute Behandlung ist es, die Räumlichkeiten insbesondere die Schlafplätze zu reinigen. Dort können sich Viren einnisten und je nach Umständen einige Zeit überbrücken.

Die Dauer der Behandlung ist nicht absehbar. Ein längerer Zeitraum über mehrere Wochen ist allerdings nicht untypisch.

Folgeschäden

Die Staupe wird nicht rechtzeitig erkannt, die medikamentöse Behandlung greift nicht oder der Verlauf ist schwerwiegender als Erwartet: Folgeschäden sind in solchen Situationen fast unumgänglich. Welche können das sein?

Folgeschäden können an

  • Herz und Lunge
  • Magen-Darm-Trakt
  • Den Augen in Form von Erblindung oder Hornhautschädigungen
  • Nervöse Ticks, Epilepsie und andere Anfallsleiden in Folge des Befalls des Nervensystems
  • Hyperkeratose und
  • Schwierigkeiten mit den Zähnen

sein.

Welche Folgen zu erwarten sind ist davon Abhängig, welchen Verlauf die Staupe nimmt und wo sich die Viren einnisten.

Schwierigkeiten mit dem Zahnschmelz sind insbesondere bei jungen Hunden, deren Zahnwechsel noch nicht abgeschlossen ist, zu erwarten. Im sogenannten Staupegebiss sterben die für die Schmelzbildung benötigten Zellen ab. Bei ausgewachsenen Hunden werden die Zahnbeine freigelegt, wodurch sich die Zähne bräunlich verfärben. Gefährlich ist es, da es für weitere Infektionen sorgen kann. An dieser Stelle sorgt zahnmedizinische Hilfe für einen verlangsamten Abbauprozess.

Vorbeugung

Gegen Hundestaupe lässt sich vorbeugen. Sehr gute Erfahrungen wurde mit einer lückenlosen Schutzimpfung gemacht. Verwendung findet attenuierter Lebendimpfstoff. Optimal ist die erste Impfung bereits im Alter von 8 Wochen. Häufig wird eine Mehrfachkombination gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Leptospirose gewählt. Zwischen der 12. Und 16. Lebenswoche folgt die Auffrischung. Meist in Verbindung mit der Tollwutimpfung. Etwa ein Jahr danach folgt nochmals eines kleinen Picks. Um den nun bestehenden Schutz dauerhaft zu halten ist alle 3 Jahre eine Auffrischung notwendig.

Unter besonderen Umständen kann der Hund schon bereits in der 4. Lebenswoche mit der Impfung begonnen werden.

Durch die gute Erforschung der Viruserkrankung und einer guten Aufklärung wurde die Hundestaupe im westlichen Europa durch Schutzimpfungen fast ausgerottet. In den letzten Jahren sind allerdings immer mehr Halter vom Trend des Impfens abgekommen. Durch osteuropäische Hunde oder auch als Reisemitbringsel und dem fehlenden Impfschutz machen sich in zahlreichen Tierarztpraxen wieder bemerkbar.

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