Leptospirose beim Hund

Leptospirose beim Hund | Foto: jarun011 / bigstock.com

Die Leptospirose ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien verursacht wird. Nicht nur Hunde können von der Infektion betroffen sein. Regelmäßig kommen Infizierungen bei Katzen, Rindern und Schweinen vor. Nicht umsonst wird Leptospirose gleichzeitig der Gruppe der Zoonose zugeordnet. Das heißt, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die von Menschen auf Hunde und Hunde auf Menschen übertragen werden kann. Einer der Gründe, weshalb erkrankte Fälle an das Veterinäramt gemeldet werden müssen. So schwerwiegend die Erkrankung aber auch ist, bei rechtzeitiger Erkennung und Behandlung bestehen gute Aussichten auf Heilung.

Das Krankheitsbild

Von der Leptospirose können alle Hunderassen jeden Alters betroffen sein. Meist betroffen sind Hunde mit einem schwachen Immunsystem. Aber auch Hunde in ländlichen Regionen, die gerne in freie Gewässern baden. Am häufigsten und am schwerwiegendsten verläuft die Erkrankung aber bei Welpen, die jünger als 6 Monate sind. Zum einen liegt es daran, dass das Immunsystem noch nicht stark genug ist. Hinzu kommt, dass die erste Impfung erst mit 6 Monaten durchgeführt wird.

Leptospirose wird von den Bakterien Leptospiren ausgelöst. In Fachkreisen sind sie auch als „Leptospira interrogans“ bekannt. Als Überträger gelten hauptsächlich Wildtiere, wie Ratten oder Igel. Meist findet die Infizierung über deren Urin statt. Aber auch durch gegenseitiges Beschnuppern und Ablecken. Dabei können die Bakterien über die Schleimhäute der Augen, der Geschlechtsorgane, über den Magen-Darm-Trakt und Verletzungen, wie Bisswunden, in das Blut gelangen. Kaum vorstellbar ist, dass die Übertragung auch bei der Paarung stattfinden kann. Um dann zum Ausbruch der Krankheit zu kommen, wird ab dem Zeitpunkt der Infizierung eine Inkubationszeit von vier bis zwölf Tagen benötigt.

Das Heimtückische an den Leptospiren ist, dass auch außerhalb eines Wirtstieres leben können. Warme und feuchte Umgebungen, wie zum Beispiel Seen und Bäche, sind beliebte Gebiete. Im Sommer und Herbst sind wegen den warmen Temperaturen am meisten der Bakterien vorhanden.

Eine Leptospiren-Art ist für die Stuttgarter Hundeseuche verantwortlich. Der Fachbegriff canine Leptospirose verrät, dass es zu der häufigsten Form gehört, die die Hunde betreffen. Gleichzeitig zählt sie zu den schwereren Leptospirose – Verläufen.

Die Symptomatik

Typisch sind zwei verschiedene Krankheitsverläufe: Akut und plötzlich oder chronisch und dauerhaft.

Je nach Leptospiren-Art kommt es zu unterschiedlichen Symptomen. Das heißt aber auch, dass je nach Art und Gesundheitszustand des Hundes nicht unbedingt schon zu Beginn der Erkrankung Symptome auftreten müssen. Häufig wird die Leptospirose zufällig als „Nebenbefund“ festgestellt. Auch ist es das Alter und der Zustand des Abwehrsystems des Hundes, die die Ausprägung der Symptome beeinflussen. So haben erwachsene, gesunde Hunde mit einem guten Abwehrsystem und Impfschutz die Chance nicht an Leptospirose zu erkranken oder nur einen milden Verlauf zu erleiden. Selbst die Folgeschäden bleiben gering.

Fallen doch erste Anzeichen auf, ist es meist sehr allgemein. Symptome, die ebenfalls zu anderen Krankheitsbildern passen können. Schwäche, Muskelzittern, Fieber und fehlender Appetit sind die ersten Vorboten. Übelkeit und Durchfall sind regelmäßig Begleiter mit entsprechenden Folgen. Mineralstoffe fehlen. Immer wieder kann es zu Blutverlust kommen, da Blut über den Urin ausgeschieden wird. Eine Blutarmut (Anämie) ist das Resultat. Das Verhalten entwickelt sich in diesem Zeitraum genauso unspezifisch. Der Hund wirkt lethargisch und depressiv, lässt sich nur schwer zu etwas animieren.

Leptospiren sind in der Lage lange in Organe zu überdauern. Dazu zählen in erster Linie die Nieren. Fast unbemerkt werden sie in ihrer Funktion beeinträchtigt und geschädigt. Der Hundekörper wird nicht mehr richtig entgiftet. Auch hier ist Übelkeit und Durchfall typisch. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es aber zu Veränderungen des Bewusstseins. Neben den Nieren ist auch die Leber als Organ betroffen. Die Bakterien wandern dort hin und sorgen auch dort für Schädigungen. Offensichtlich wird der Leberbefall durch die Gelbsucht (Ikterus). Selbst die Lunge kann betroffen sein. Der Befall macht sich mit Atemnot und blutigem Husten bemerkbar.

Die Bakterien Leptospire sind in der Lage Störungen der Blutgerinnung auszulösen. Die Gefahr, innerlich zu Verbluten, wird verstärkt. Symptomatisch fällt die Störung zum Beispiel bei Verletzungen auf, denn die Blutgerinnung ist normalerweise für die Wundheilung zuständig.

Die Diagnose

Eine Leptospirose zu diagnostizieren ist nicht einfach. Die Bakterien lassen sich bis zu 8 Tage nach Ausbruch im Blut nachweisen. Allerdings gilt der Nachweis als schwierig. Zumal häufig nur die anderen Blutwerte auffällig sind. Die weißen Blutkörperchen sind gesteigert, während die Blutplättchen weniger werden. Das Gefährliche daran ist, dass diese Auskunft auf zahlreiche andere Krankheiten ebenfalls passt.

Als typisches Standard-Verfahren gilt der Nachweis von Antikörpern. Dafür wird häufig der Mikrogglutinationstest, kurz MAT, durchgeführt. Regelmäßig kommt es vor, dass der Test beim Beginn einer Leptospirose fälschlicherweise Negativ ist. Kann eine Leptospirose nicht ausgeschlossen werden, wird innerhalb von 2 – 4 Wochen der Test nochmals durchgeführt. Positiv ist der Test während der Infektion bzw. danach. Vorhandener Impfschutz gegen Leptospiren lassen sich mithilfe diesen Test ebenfalls ablesen.

Leptospirose beim Hund | Foto: jarun011 / bigstock.com

Die Behandlung

Sind die Organe durch den Erreger zu stark geschädigt worden oder bricht der Kreislauf zusammen kann die Leptospirose für den Hund in den meisten Fällen tödlich enden.

Um den schlimmsten Fall zu vermeiden setzt die Behandlung darauf an, die Bakterien abzutöten. Breitband-Antibiotika kommt zum Einsatz. Über eine Dauer von 3 – 4 Wochen. Der Zeitraum wird meist in 2 Phasen unterteilt. Dies dient dazu, da zwei unterschiedliche Breitband-Antibiotika verabreicht werden. Während der ersten Phase geht es um die Abtötung der Bakterien, während die zweite dazu dient, einer Resistenz vorzubeugen. Zusätzlich, weil es in den meisten Fällen unklar ist um welche Unterart es sich handelt. Voraussetzung ist allerdings, dass noch keine Organe betroffen sind.

Je nach Verlauf werden noch zusätzlich symptomatisch behandelt. Bei Durchfall und Erbrechen kommen so häufig Infusionen dazu, um innere Austrocknungen zu vermeiden.

Übrigens: Stark betroffene Nieren können vollständig genesen. Zumindest sind zahlreiche Fälle bekannt. Nierenerkrankungen, die bereits vor der Infizierung mit Leptospiren vorhanden waren werden dadurch nicht behoben. Zudem besteht dennoch das grundsätzliche Risiko, dass ein chronisches Leiden zurückbleibt. Damit die Nieren sich erholen können müssen deren Aufgaben anderweitig übernommen werden. In der Regel findet die volksmündliche „Blutwäsche“ statt, auch bekannt als Dialyse. Je nach Schädigung der Niere finden 4 – 5 Behandlungen von bis zu 4 Stunden statt.

Eine rein homöopathische Behandlung ist nicht möglich. Die Bakterien können nur mit Antibiotika behandelt werden. Allerdings besteht für den Hund die Möglichkeit, die Behandlung mit Medikamenten auf homöopathischer Basis angenehmer zu gestalten.

Lässt sich Vorbeugen?

Eine Möglichkeit, den Hund vor der Leptospirose zu schützen ist die Impfung. Für die meisten Leptospiren-Arten sind Impfstoffe vorhanden. Um einen dauerhaften vollständigen Schutz gewährleisten zu können wird bereits im Alter von 6 Monaten geimpft. Innerhalb von 4 Wochen wird mit 2 Spritzen der Grundschutz aufgebaut. Um den Schutz aufrecht zu erhalten ist 1 – 2 Mal im Jahr eine Auffrischung notwendig. Da es aber weit über 200 bekannte Leptospiren-Arten gibt konnte noch nicht für alle das passende Serum entwickelt werden.

Vor einigen Jahren konnte auf der Insel Kuba eine größere Studie zur Vorbeugung von Leptospirose mithilfe von homöopathischen Mitteln durchgeführt. Es konnte beobachtet werden, dass die Infektionsrate in vergleichbaren Zeiträumen merklich gesenkt werden konnte. In Europa ist bei Hunden die Vorbeugung auf homöopathischer Basis in der Praxis noch nicht angekommen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*