Nickhautvorfall beim Hund

Nickhautvorfall beim Hund
Nickhautvorfall beim Hund | Foto: adogslifephoto / Depositphotos.com

Nickhautvorfall beim Hund – diesen Begriff haben viele von uns vielleicht schon öfters gehört. Doch haben wir nur eine latente Vorstellung davon, was sich tatsächlich dahinter verbirgt und wie man das Krankheitsbild behandeln kann.

Was ist die Nickhaut und wieso kann sie vorfallen?

Die Nickhautdrüse befindet sich im Augenwinkel und ist eine zusätzliche Tränendrüse. Sie produziert rund 30 bis 40 % gesamten Tränenflüssigkeit des Tieres. Die „Haupttränendrüse“ ist für die Produktion der restlichen 60 – 70% der Tränenflüssigkeit verantwortlich. Diese jedoch liegt gut geschützt in der Augenhöhle.

Kommt es zum Vorfall der Nickhautdrüse, rutscht diese hinter dem dritten Augenlid hervor. Als runde, rötliche Vorwölbung ist sie nun im Augenwinkel gut sichtbar. Es wird aufgrund der optischen Ähnlichkeit vom „Cherry Eye“ gesprochen.

Mitunter kommt es zu einer spontanen Rückverlagerung der Drüse. Sie rutscht also in ihre korrekte Lage zurück. Leider kann es in diesem Fall zu einem häufigen, neueren Vorfall kommen.

Die meisten Nickhautvorfälle sind in den ersten zwölf Lebensmonaten eines Hundes zu verzeichnen. Für gewöhnlich strafft sich das Bindegewebe innerhalb dieses Zeitraumes, sodass die Tendenz zu Nickhautvorfällen nach dem 12. Lebensmonat nachlässt. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass jeder Hund einen Nickhautvorfall erleiden kann. Ebenso wie die jungen Hunde kommt es auch bei älteren Tieren aufgrund der nachlassenden Spannung des Bindegewebes eventuell zu einem Nickhautvorfall. Doch genau wie beim jungen Hund ist diese Problematik auch beim älteren Tier vollkommen ungefährlich.

Zur Information:

Natürlich sollte der Begriff „Drittes Augenlid“ erklärt werden. Das Dritte Augenlid wird auch Nickhaut genannt. Es ist eine zusätzliche Augenfalte, die sich am nasenseitigen Augenwinkel befindet. Die Nickhaut ist nicht mit eigenen Muskeln versehen. Dennoch funktioniert die Nickhaut, sobald das Auge benetzt werden muss. Gerne wird sie mit einem Scheibenwischer verglichen. Es handelt sich um einen automatischen Reflex.

Dringt ein Fremdkörper in das Auge ein, so wird dieser Reflex sofort aktiviert. Dies geschieht zeitgleich, während sich der Augapfel zurückzieht. Die Nickhaut rutscht ebenso schnell wieder an ihren Platz zurück. Man könnte es auch als Reinigungsbewegung bezeichnen, denn mit der schnellen Bewegung der Nickhaut werden kleine Staubkörner und andere kleine Fremdkörper schnell und effektiv aus dem Auge entfernt.

Die Nickhaut ist als weiße Haut auf dem Augapfel zu sehen. Es ist eher selten, dass dem Hundebesitzer diese schnelle Bewegung auffällt. Umso auffälliger ist es, wenn die Nickhaut für einen längeren Zeitraum, nämlich über mehrere Stunden, sichtbar auf dem Auge verbleibt.

Welche Ursachen können für einen Nickhautvorfall verzeichnet werden?

Für einen Nickhautvorfall können verschiedene Ursachen verantwortlich sein. So kann beispielsweise eine Bindegewebsschwäche im Bereich des dritten Augenlides als Auslöser angesehen werden. Ebenso kann ein zu langer Knorpel, der sich im dritten Augenlid befindet, als Ursache angesehen werden.

Die Rassezugehörigkeit kann ebenso für eine Neigung zum Nickhautvorfall führen. So sind Hunde der folgenden Rassen prädestiniert, einen Nickhautvorfall zu erleiden:

Grundsätzlich können an dieser Stelle alle Hunderassen genannt werden, die eine verkürzte Schnauze aufweisen.

Wie kann der Nickhautvorfall diagnostiziert werden?

Dies ist der schwierige Teil, wenn es sich um einen Nickhautvorfall handelt. Denn dieser ist nahezu schmerzfrei. Somit zeigt das Tier keinerlei Anzeichen, dass mit seinem Auge etwas nicht stimmt. Es bedarf also der Beobachtungsgabe des Tierhalters.

Ein Anhaltspunkt ist die weiße Haut, die auf dem Auge mehr oder weniger gut sichtbar ist. Auch wenn man das Gefühl hat, dass das Auge etwas trocken aussieht, sollte man den Tierarzt um Rat fragen. Dies kann an der verminderten Versorgung mit Feuchtigkeit liegen, die mit dem Nickhautvorfall einhergeht. Die Flüssigkeit wird zwar noch produziert, jedoch nicht mehr über das Auge verteilt wird.

Da es für den Laien schwierig ist, den Nickhautvorfall 100%ig zu diagnostizieren, sollte bei dem Verdacht auf jeden Fall der Tierarzt aufgesucht werden. Er wird für Gewissheit sorgen.

Auch wenn der Nickhautvorfall nahezu schmerzfrei ist, kann es bei einer Nicht-Behandlung zu Folgeerscheinungen kommen. Hierzu gehören Bindehautentzündung, Augentrockenheit, Juckreiz sowie dadurch bedingte Sehprobleme. Wird die Ursache für den Nickhautvorfall gefunden, können auch diese Folgeerscheinungen behoben werden.

Wie wird der Nickhautvorfall behandelt?

Kommt es zu einem Nickhautvorfall, ist es wichtig, die Ursache dafür zu finden. Denn diese ist vielfältig.

  • Trockene Augen
  • Schwäche des umliegenden Gewebes
  • Fremdkörper im Auge
  • Genetische Faktoren

Die Ursache ist wichtig, um die richtige Therapiemethode für den Nickhautvorfall zu finden.

Sicherlich wird der Nickhautvorfall behandelt. Sicherlich wird versucht, dem Tier die bestmögliche Linderung zu ermöglichen. Doch leider muss an dieser Stelle auch ganz konkret gesagt werden, dass es für einen Nickhautdrüsenvorfall keine konkrete Behandlung gibt. Es wäre eine Option, die Nickhautdrüse operativ zu entfernen, um das Problem endgültig zu beheben.

Die meisten Tierärzte raten jedoch von einer entsprechenden Operation ab. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wie wir bereits erfahren haben, ist die Nickhautdrüse für gut 40% der Tränenproduktion zuständig. Natürlich ist es sehr wichtig, das Auge bestmöglich feucht zu halten, um Folgeschäden des Auges zu verhindern.

Operativer Eingriff

Nein, hierbei geht es nicht um die Entfernung der Nickhautdrüse. Vielmehr geht es bei diesem Eingriff darum, dass das Bindegewebe um die Drüse herum  in die Lage versetzt wird, die Drüse an ihrem Platz zu halten. Zu diesem Zwecke wird die so genannte Rafftechnik nach Moore eingesetzt. Je nach Bedarf wird unterhalb bzw. oberhalb der Nickhautdrüse zwei Einschnitte gemacht, die hernach miteinander vernäht werden.

Auf diese Weise kann die Nickhautdrüse wieder in die ursprüngliche Position gedrängt und dort „festgesetzt“ werden. Um einem eventuellen Fädenziehen vorzugreifen, werden zu diesem Zweck Fäden eingesetzt, die sich nach recht kurzer Zeit selber auflösen. Dieser Eingriff wird natürlich nur auf Anraten des Tierarztes vorgenommen.

Wer sich für diese Option entscheidet, sollte sicherstellen, dass der Hund innerhalb der nächsten 14 Tage nach der OP nicht schwimmen geht bzw. übermäßig Wasser ausgesetzt ist. Auch sind Schmutz- und Staubeinwirkungen zu vermeiden.

Hund mit Nickhautvorfall wird untersucht
Hund mit Nickhautvorfall wird untersucht. | Foto: gabitodorean / Depositphotos.com

Salben

Tropfen oder Tabletten sind nicht bekannt, die zur Behandlung eines Nickhautvorfalls eingesetzt werden können. Aus diesem Grunde fokussiert man sich bei der Behandlung der Folgeerkrankungen, die jeder Nickhautvorfall mit sich bringen kann.

Eine gute Augensalbe sorgt für ausreichende Feuchtigkeit des Auges. Dies kann eine Augentrockenheite sowie Bindehautentzündungen verhindern. Hierzu ist die Anwendung der Salbe mehrfach täglich notwendig. Auch kann ein Rückfall auf diese Weise verhindert werden. Solange das Auge feucht gehalten wird, wird der Reflex, die Nickhaut über das Auge zu ziehen, um es zu befeuchten, nicht ausgeführt.

Dabei gibt es einiges zu beachten. Augensalbe ist nicht gleich Augensalbe:

  • Um eventuelle bakterielle Entzündungen einzudämmen, ist eine antibiotische Wirkung der Salbe wünschenswert.
  • Ist von einer Virusinfektion des Auges auszugehen, sollte die Salbe ein Virostatikum enthalten.
  • Auch der Bestandteil Cortisol kann bei Augenentzündungen eingesetzt werden.

Der naturheilkundliche Ansatz

Für die Hundebesitzer, die den naturheilkundlichen Ansatz bevorzugen, gibt es ebenfalls verschiedene Optionen. Diese können ausschließlich oder unterstützend zu den anderen, schulmedizinischen Methoden zum Einsatz gebracht werden.

  • Homöopathie: Die Homöopathie, in der Ähnliches mit Ähnlichem behandelt wird, kann den Nickhautvorfall positiv beeinflussen. Hierzu ist eine gesamte Anamnese des Tieres notwendig, um die konstitutionelle Ursache herauszufinden. Mit Hilfe des korrekt gewählten Konstitutionsmittels ist es möglich, das Bindegewebe zu festigen, den Stoffwechsel anzukurbeln und damit die Voraussetzungen für einen weiteren Nickhautvorfall zu minimieren. Es empfiehlt sich, einen gut ausgebildeten Homöopathen für Tiere aufzusuchen. Ob es sich hierbei um einen Tierarzt oder einen Tierheilpraktiker handelt, liegt in Ihrer Entscheidung. Doch sollte beim Einsatz von Homöopathie nicht zwangsläufig davon ausgegangen werden, dass mit einer Mittelgabe das Problem tatsächlich vollkommen verschwunden ist. Denn die homöopathischen Mittel benötigen ihre Zeit, um im Organismus aufzuräumen.
  • Kräuterkunde: Auch die Kräuterkunde weist Kräuter auf, mit denen das Auge und sein Umfeld positiv beeinflusst werden kann. Hierzu gehören unter anderem Kamille und Anis. Sicherlich hat jedes der beiden Kräuter sehr gute Heilwirkungen aufzuweisen. Aber die Kombination von beiden ist eine wahre Wohltat für gestresste Augen. Kamille ist der beste Entzündungshemmer, den man sich für Augen wünschen kann. Auch Anis hat antiseptische Eigenschaften, die in diesem Fall bestens zum Einsatz kommen. Ist es zu einem Nickhautvorfall gekommen, so sind diese beiden Kräuter optimal, um eventuellen Entzündungen vorzubeugen und das Augen zu beruhigen. Zudem wird eine Trockenheit der Augen verhindert. Die Kräuter werden als Sud angesetzt, welcher vor der Anwendung durch ein Teebeutel zu gießen ist, um etwaige Fremdstoffe herauszufiltern. Der Sud wird nun auf ein Pad gegeben und auf die Augen gelegt. Sollte sich der Hund dies nicht gefallen lassen, kann der Sud auch tropfenweise ins Auge gegeben werden. Weitere Kräuter, die bei Augenproblemen helfen können, sind Augentrost, Kalmus, Schöllkraut, Immergrün, Pfefferkraut, indische Buntnessel und Echte Hauswurz.
  • Akupunktur: In der Akupunktur wäre es falsch, bewährte Indikationen preiszugeben, da die Technik der Akupunktur eine fundierte Ausbildung bedarf. Doch jeder Tierheilpraktiker bzw. Tierarzt mit dem Schwerpunkt „Akupunktur Hund“ weiß genau, welche Punkte er sowohl für den akuten als auch den subakuten Fall einzusetzen hat. Ähnlich wie in der Homöopathie wird auch in der Akupunktur nach der Ursache gesucht, bevor die Akpunkturpunkte ausgewählt werden. Denn auch in der Akupunktur wird konstitutionell gearbeitet. Es wird also nicht nur das Symptom des Nickhautvorfalls betrachtet, sondern die Gesamtkondition des Tieres. Optimalerweise geht mit der Akupunktur auch eine Ernährungsumstellung des Hundes einher. Dies ist notwendig, um den durch die Akupunktur erreichten, positiven Zustand des Organismus möglichst lange zu halten. Eine gezielte, ausführliche Anamnese ist hierzu notwendig. Der versierte Tierbehandler wird hierzu nicht nur die Untersuchung des Hundes vornehmen, sondern auch die Beobachtungen des Besitzers in seine Entscheidung einfließen lassen. Denn in der Naturheilkunde sind es oftmals die Beobachtungen der Besitzer, die den entscheidenden Ausschlag geben. Auch während der laufenden Behandlung ist es der Besitzer, der über jegliche Veränderung des Allgemeinzustandes berichten kann und dies auch tun sollte, damit bei jeder weiteren Sitzung eventuelle Änderungen in das Akupunkturkonzept eingearbeitet werden können.
  • Ernährungsumstellung: Die Ernährung des Hundes ist natürlich ein wichtiger Punkt, den Stoffwechsel und die Gesamtkondition des Tieres zu optimieren. Oftmals wird vergessen, dass das Futter, das wir unseren Tieren geben, direkten Einfluss auf den Organismus und den Stoffwechsel hat. Je besser das Futter verstoffwechselt werden kann, desto besser und stabiler ist auch das Bindegewebe. Ein festes Bindegewebe führt auch im bzw. um das Auge zu einer guten Festigkeit. Die Nickhautdrüse kann bei einem festen Bindegewebe nicht unter der Nickhaut hervorrutschen.
  • Entgiftung: Wer seine Augen schonen möchte, sollte versuchen, den Organismus des Hundes zu entgiften. Dies geht selbstverständlich mit der Ernährungsweise einher. Es ist wichtig, sich in diesem Punkt gut mit dem Tierarzt abzusprechen. Er wird eine kompetente Beratung zum Thema Ernährung und Entgiftung geben.
  • Wasser: Kontrollieren Sie die Flüssigkeitsaufnahme des Tieres und sorgen Sie dafür, dass ihm stets ausreichend frisches Wasser zugänglich ist. Natürlich ist es nicht für jeden Besitzer einfach, seinen Hund zum Trinken zu überreden. Eine Möglichkeit, dem Tier das Wasser schmackhaft zu machen, ist das Anfeuchten des Futters. Auf diese Weise wird automatisch mehr Flüssigkeit aufgenommen. Eine weitere Option sind das Spicken des Wassers mit Früchten, etwa Blaubeeren oder Cranberries. Versucht der Hund, die Früchte aus dem Wasser zu bekommen und weiter zu trinken, ist er nicht nur beschäftigt, sondern nimmt auch einen Teil des Wassers auf. Ein weiterer Trick ist das Vermengen von kleinen Mengen Leberwurst im Trinkwasser. Es ist hierbei darauf zu achten, dass die Leberwurst nicht zu viel Salz enthält, da dies dem Hund schaden würde.

Fazit

Erleidet Ihr Hund einen Nickhautvorfall ist dieser eindeutig zu erkennen, auch für einen Laien. Ja, es sieht ein wenig furchterregend aus. Die gute Nachricht jedoch ist, dass der Hund keine Schmerzen hat. Dennoch ist die Unterstützung und fachliche Meinung des Tierarztes unumgänglich. Schließlich sollte die Nickhautdrüse wieder in die korrekte Position reponiert werden, wenn dies irgend möglich ist. Dennoch sollte keine Panik entstehen. Geben Sie besonders gut Acht auf den Hund und sein Auge. Lassen Sie diesem eine besondere Pflege angedeihen.

Nein, Sie haben leider keine Möglichkeit, einen Nickhautvorfall zu verhindern, wenn die Prädisposition bei dem Hund bzw. dieser Hunderasse vorliegt. Seien Sie sicher, dass die meisten Nickhautvorfälle bei jungen Hunden vorkommen.

Hat Ihr Hund also ein bestimmtes Alter erreicht, ohne vom Nickhautvorfall betroffen gewesen zu sein, sind Sie und natürlich auch Ihr Vierbeiner mit hoher Wahrscheinlichkeit um diese Problematik drumherum gekommen. Denn trotz einer Prädisposition muss der Vorfall ja nicht zwangsweise passieren, nicht wahr?

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