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Vorurteile gegenüber Hunden und Hundehaltern

Jeder, der einen oder mehrere Hunde besitzt, weiß, dass es eine Menge Dinge gibt, die man sich als Hundehalter des Öfteren anhören oder von denen man lesen muss, die aber ganz einfach nicht der vollen Wahrheit entsprechen. Gerade diejenigen, die kaum Erfahrung mit Hunden oder gar anderen Haustieren haben und einfach nur beobachten und daraus voreilig Rückschlüsse ziehen, beschweren sich am lautesten und ausführlichsten über Hunde und ihre Halter. Doch auch unter Haltern selbst gibt es diverse Klischees und Anfeindungen. Die typischsten Vorurteile, was an ihnen dran ist und wie man sich gegen sie wehren kann, haben wir im Folgenden zusammengefasst.

Nicht jeder liebt Hunde so sehr, wie dieses Frauchen ihren Vierbeiner. Allerdings beruht die meiste Abneigung auf Klischees und Vorurteilen, mit denen schleunigst aufzuräumen ist. Foto: fotolia.de © Lars Zahner (#208390538)

Hunde machen unglaublich viel Dreck!

Im November 2018 erst war in einem Artikel der „Berliner Zeitung“ zu lesen, dass die Bürgersteige der Großstadt die Pest seien. Dazu wurden Berliner Bürger befragt und heraus kam: Nach Liegefahrrädern, Schenkplunder, Vorfahrtmuttis und -vatis mit dicken Kinderwägen und illegal entsorgtem Müll stören sich viele auch an Hundehaufen auf dem Trottoir. Dass es in der „Hauptstadt der Hunde“ zu einigem Hundedreck täglich kommt, lässt sich auch nicht leugnen. Je nachdem, ob man die Zahl der angemeldeten Hunde (etwa 113 Hunde pro Quadratkilometer/ Stand 2017) oder eine geschätzte Zahl Tiere zugrunde legt, sind es zwischen 20.000 und 40.000 Tonnen Hundekot am Tag. Allerdings ist das „Häufchen machen“ nun einmal ein natürliches Bedürfnis der Hunde, die sich nicht soweit sozialisieren lassen, dass sie warten, bis sie Zuhause sind, um dann brav auf das stille Örtchen zu gehen.

Wichtig ist daher, dass alle Hundehalter für den Fall der Fälle immer mehrere Plastiktütchen zum Einsammeln der Hinterlassenschaften ihres Hundes dabeihaben. „Gassi-Beutel“ und ähnliches, die es inzwischen an zahlreichen „Dog Stations“ in vielen Städten gibt, unterstützen das pflichtbewusste Einsammeln. Das tun die meisten Halter inzwischen auch. Das Vorurteil trifft also nur bedingt zu. Denn auch für Halter ist der Anblick von Kot auf den Liegewiesen, in Parks oder auf dem Trottoir genauso unangenehm, wie für alle anderen. In einen Haufen hineintreten, das will schon gar niemand. Nicht nur, weil es eklig ist, sondern weil durch den Kot an der Schuhsole auch Würmer und Infektionskrankheiten ihren Weg in Wohnungen und Häuser finden und somit übertragen werden können.

Wer seinen Hund einkleidet, spinnt!

Nicht nur für Hunde-Unkundige, sondern oft auch für andere Halter wirken die, die ihrem Hund ein Mäntelchen (siehe Hundemantel winter) anziehen, verrückt oder einfach nur peinlich. Allerdings hat die Hundemode oftmals eben nicht nur oder sogar überhaupt keine ästhetischen Gründe.

Denn gerade große Hunde ohne Unterwolle frieren oft schnell. Gerade, wenn es draußen Minusgrade hat, ist das Gassigehen für manche dieser Hunde eine ähnliche Qual, wie für Halter, die sich keine Jacke anziehen. Jeder, der also Halter für die Hundemode kritisiert und Vorurteile hat, muss sich also überlegen, wie er das Ganze selbst handhaben würde: Den Hund lieber krank werden lassen, nur weil man auf einen Mantel verzichten will, für den man eventuell verurteilende, bzw. abschätzige Blicke kassieren würde oder die Gesundheit und Bedürfnisse des Hundes über das Unwissen anderer stellen?

Übrigens können auch Hunde mit Unterwolle krank sein und einen Mantel zum Schutz vor Kälte und Nässe brauchen. Es handelt sich also auch bei ihnen nicht immer um „Püppchen“, wenn sie eingewickelt sind.

Wer seinen Hund im Hundebuggy rumkutschiert, spinnt genauso!

Ein ähnliches Vorurteil betrifft das Rumkutschieren von Hunden in Hundebuggys. Selbst viele Hundebesitzer sind der Meinung, dass, wer seinen Hund im Buggy transportiert, statt ihn selbstständig laufen zu lassen, dessen natürlichen Triebe einschränkt, ihn behandelt, wie ein zartes Pflänzchen und nicht wie ein Tier. Sicherlich gibt es hin und wieder auch „Kleinhundefrauchen“, für die ihr kleines „Baby“ mehr als Puppe und als Spielzeug, bzw. Accessoire fungiert, als tierischer Begleiter mit eigenen natürlichen Trieben du Bedürfnisse. Leider ist das nicht abzustreiten, es ist aber auch eher die Ausnahme, als die Regel.

Manch ein Hund kann beispielsweise aufgrund körperlicher Anstrengung nicht lange Gassigehen. Um dennoch auf Touren mit anderen Hunden dabei zu sein, kann ein Buggy durchaus eine gute Lösung sein. Foto: fotolia.de © photoPepp (#140388368)

Andere durchaus „normale“ und reflektierte Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner in einem Wagen herumschieben, haben dafür vielleicht gute Gründe. Immer beliebter wird es etwa (früher hat man sich aus Bequemlichkeit oder auch Unsicherheit vielleicht eher dagegen entschieden), auch Hunde aus schlechten Verhältnissen aufzunehmen und diese großzuziehen. Nicht selten kommt es vor, dass diese Hunde zum Beispiel an einer körperlichen Einschränkung, wie etwa verkrüppelten Vorder- oder Hinterbeinen oder -pfoten leiden. Fakt ist, dass die Hunde selbst trotz ihrer Behinderung glücklich sein und gut damit umgehen können. Wie andere Hunde auch können sie rennen, spielen, jagen usw. Allerdings können sie dies eben oft nicht so lange tun, wie gesunde Hunde. Das fängt auch beim normalen Gassigehen an: Oft wird für eingeschränkte Hunde schon eine Stunde am Stück zur Qual. Das schränkt die möglichen Gassirunden natürlich immens ein. Wer als Halter einmal über den üblichen Gassi-Radius hinausgehen, neue Wege ausprobieren und längere Wanderwege entlanglaufen möchte, muss sich Alterativen überlegen. Nicht viele Hunde werden gerne lange getragen oder sie sind dann auch doch etwas zu groß und zu schwer dafür. Ein Hundebuggy kann hier neben Hundetragetasche und Hunderucksack also die optimale Lösung für den „Transport“ sein: Hier kann der Hund, sobald er müde wird, rein und geschoben werden.

Hunde in der Großstadt zu halten grenzt an Tierquälerei!

Wer sich mit Hunden nicht besonders gut auskennt, neigt dazu zu sagen: Großstädte sind kein geeigneter Lebensraum für Hunde. Sie gehören aufs Land oder zumindest dorthin, wo mehr Natur ist. Allerdings trifft das nur in gleichem Maße zu, wie auf uns Menschen. Sicherlich ist ein Leben im Grünen, mit besserer Luft, mehr Bäumen und Pflanzen, dem Rauschen eines Bachs usw. und viel Bewegung in dieser Umgebung gesünder, als ein Leben inmitten von Smog, Verkehrslärm und ständiger Reizüberflutung. Allerdings hält man sich sowohl als Mensch, als auch als Hund, der zum Menschen dazugehört, auch nicht immer an Hauptverkehrsstraßen, an Bahnhöfen oder gar Tankstellen auf. Ein Leben in der Großstadt ist also in der Regel für Hunde genauso lebenswert, wie für Menschen.

Denn auch diese gehen mit ihren Hunden in der Regel am liebsten durch grüne Parks oder bewegen permanente Hintergrundgeräusche werden für Hunde dabei nach einiger Zeit genauso zur Gewohnheit wie für uns. Irgendwann nimmt man sie meistens nicht einmal mehr wahr. Stadthunde sollten dafür täglich mehrmals von ihren Haltern ausgeführt werden, viel lernen und in Kontakt mit fremden und vertrauten Artgenossen kommen. Das Leben eines Landhundes sieht natürlich oft etwas beschaulicher aus. Doch welches Leben ist eigentlich wünschenswerter? Das eines Hofhundes, der mitunter stundenlang am Stall angeleint ist oder das eines Stadthundes, der mit anderen Hunden wild auf einer Parkwiese herumtollen kann? Grundsätzlich gehören Hunde überall dorthin, wo sie von ihren Haltern geliebt und geachtet werden. Fühlt sich ein Hund zu einem Menschen oder einer Familie ganz und gar zugehörig und hat er eine Ausbildung bekommen, ist es gleichgültig, wo er lebt.

Übrigens können Hunde auch in der Großstadt den ganzen Tag an der Luft sein, selbst wenn die Halter arbeiten sind und nicht auf die Vierbeiner aufpassen können. Mit einem Hundezwinger, der in ganz verschiedenen Arten und Ausführungen mit und ohne Auslauf zu haben ist, ist dies für alle Hundegrößen und Bedürfnisse möglich. Wer sich hier gleich den nächsten Spruch zum Thema Hundezwinger seien doch wie Gefängnisse anhören muss, sollte sich den nächsten Abschnitt und die Argumente für einen Zwinger genau einprägen.

Zwingerhaltung: Das ist doch wie ein Hundeknast!

Das zeitweise Halten des Hundes „hinter Gitterstäben“ im Zwinger genießt einen eher schlechten Ruf. Die Bewegungsfreiheit des Hundes ist darin natürlich oft stark eingeschränkt und es mag tatsächlich ein wenig so aussehen, als sitze der Vierbeiner im Knast. Allerdings sollte nicht zu schnell geurteilt werden.

Denn zum einen gibt es genügend Hunderassen, denen ein vorübergehender Aufenthalt im Zwinger wenig ausmacht und es gibt auch Zwinger, die absolut artgerecht sind. Die Tierschutz-Hundeverordnung gibt in § 6 genaue Vorschriften, wie ein artgerechter Zwinger eingerichtet sein muss.

Sieht dieser Staffordshire Bullterrier in seinem Zwinger mit Auslauf wirklich so unglücklich aus, wie es immer heißt? Foto: fotolia.de © hemlep (#64592539)

Lauffreudige Hunderassen sollten natürlich eher nur kurzfristig im Zwinger gehalten und zusätzlich ausgelastet werden. Denn im Zwinger können sie ihre überschüssige Energie nur bedingt abbauen. Natürlich gilt das Gleiche aber auch für das Halten in der (kleinen) Wohnung. Im Gegensatz zu dieser aber ist der Aufenthalt im Zwinger für den Hund, etwa, wenn die Herrchen arbeiten sind, deutlich interessanter und mitunter gesünder, als der in der Wohnung. Denn draußen gibt es frische Luft, neue Geräusche und interessante Gerüche. Das sorgt für Abwechslung und Beschäftigung, zwei Dinge, die für Hunde sehr wichtig sind. Auch die Widerstandsfähigkeit ist bei Hunden, die im Zwinger gehalten werden, übrigens deutlicher höher.

Schwarze Hunde sind gefährlicher, als alle anderen!

Ganz egal, wie der Charakter eines Hundes auch sein mag, sobald er schwarz ist, wird ihm schnell unterstellt, dass er gefährlicher ist, als andere Hunde. In Tierheimen werden schwarze Hunde daher auch schwieriger an Halter vermittelt, als andere Farben. Amerikaner und Engländer haben für dieses Phänomen sogar einen eigenen Begriff: Das „Black dog syndrome“ meint, dass Menschen davon ausgehen, dass, je dunkler und schwarzer der Hund, dieser auch aggressiver und böser ist. Der Trend in der westlichen Welt geht daher vermehrt zu hellem Fell. Braun ist gut, weiß oder zumindest beige ist noch viel besser.

Dabei sagt die Fellfarbe absolut nichts über den Charakter, das Verhalten oder gar die Aggressivität eines Hundes aus. Solange sich aber die Vorstellung hält, dass schwarz mit böse und weiß mit gut zu assoziieren ist, wird es auch derlei Vorurteile und Klischees geben. Hundehalter müssen in diesem Fall wohl einfach ein genauso dickes Fell entwickeln, wie ihre Vierbeiner, damit sie über die Anfeindungen und Sprüche hinwegsehen können.


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