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Kalt gepresstes Hundefutter

Die Wahl des richtigen Hundefutters ist nicht einfach. Im Handel gibt es mittlerweile eine kaum mehr zu überblickende Varietät an industriell hergestelltem Futter. Da gibt es klassisches Feuchtfutter in Aludosen, Feuchtfutter in Beuteln oder Schalen und die große Anzahl der verschiedenen Trockenfuttersorten. Viele Hundebesitzer greifen gerne zum Trockenfutter. Es ist praktisch und sauber in der Handhabung und für den Hund soll es viele Vorteile bieten. Doch auch bei Trockenfutter gibt es deutliche Unterschiede. Trockenfutter ist nicht gleich Trockenfutter. Die Sorten unterscheiden sich nicht nur durch die Zutaten, sondern auch durch das Herstellverfahren. Hoch gepriesen wird in der Werbung zumeist kalt gepresstes Hundefutter. Es soll für die Gesundheit des Hundes sehr positiv sein. Doch worin liegen die Vorteile genau?

Was ist Trockenfutter?

Trockenfutter ist Futter, dem der Großteil der Flüssigkeit entzogen wird. Der Restgehalt an Flüssigkeit beträgt höchstens 14 Prozent. Dadurch wird das Futter lange haltbar. Es ist leicht zu transportieren, zu lagern und auch zu dosieren. Auch bei der Fütterung ist Trockenfutter deutlich sauberer. Daneben wird um einiges weniger Müll produziert als etwa bei Hundefutter, das in Alu verpackt ist. Trockenfutter soll für die Zähne des Hundes besser sein als Feuchtfutter. Es reibt Zahnbeläge ab und so entsteht weniger Zahnstein. Durch den geringen Feuchtigkeitsgehalt sorgt Trockenfutter meist für einen geregelten Kotabsatz. Das kann bei Tieren ideal sein, die immer wieder mit Durchfall zu kämpfen haben. Geeignet ist Trockenfutter grundsätzlich für jeden Hund. Doch muss dabei darauf geachtet werden, dass das Tier genug Wasser zu sich nimmt. Durch die fehlende Flüssigkeit muss genug Wasser zugeführt werden. Ansonsten droht dem Hund Feuchtigkeitsverlust. Das kann für ihn unter Umständen gefährlich werden. Um das richtige Futter auszuwählen, sollte man ein wenig mehr über die Herstellung wissen.

Die Herstellung

Herkömmliches Trockenfutter wird mittels Extrusionsverfahren hergestellt. Dazu werden alle Zutaten für das Futter vermischt und stark zerkleinert. Diese Mischung kommt dann in den Extruder. Er besteht aus einer Trommel. Die Futtermischung wird in dieser Trommel durch Schneckenwellen in einer Röhre bewegt. So wird das Futter durchgeknetet, bis es eine teigige Konsistenz erreicht. Das Ganze passiert bei rund 85 °C. Danach wird der Futterbrei unter hohem Druck bei einer Verarbeitungstemperatur von rund 120 °C durch eine Düse gepresst. Die klassischen Kroketten entstehen. Sie können unterschiedlichste Formen und Größen aufweisen. Durch die hohen Temperaturen werden die Kohlenhydrate aufgeschlossen und sozusagen vorverdaut. Der Hund kann diese dann leichter verwerten.

Nährstoffe werden künstlich zugefügt

Nach dieser Prozedur wird eine Mischung aus Fetten, Eiweiß und Vitaminen auf die Kroketten aufgesprüht. Dadurch sollen Vitamine und Nährstoffe ergänzt werden, die durch den Herstellungsprozess verloren gegangen sind. Darüber hinaus wird die Akzeptanz durch den Hund erhöht. Diesen Vorgang nennt man Coating. Ist auch dieser Vorgang abgeschlossen, wird das Trockenfutter getrocknet und gekühlt. Diese Art des Trockenfutters existiert nun etwa seit Ende des 19. Jahrhunderts. Purina war eine der ersten Firmen, die dieses Verfahren angewendet haben. Nachteil dieses Verfahrens ist eindeutig die hohe Verarbeitungstemperatur, die zahlreiche wichtige Nährstoffe während des Vorgangs zerstört. Diese müssen im Nachhinein wieder ergänzt werden. Allerdings werden dafür synthetisch hergestellte Vitamine verwendet, die für den Hund von geringerem Wert sind als die natürlichen.

Die Kaltpressung

Als deutlich artgerechter und gesünder wird daher das kalt gepresste Trockenfutter propagiert. Bei dieser Herstellmethode werden die Rohstoffe ebenso wie beim Extrusionsverfahren getrocknet, gemahlen und gemischt. Auch hier kommt diese Mischung in eine Trommel. Mithilfe einer Walze wird das Futter durch Bohrungen in der Trommelwand gepresst. Dadurch entstehen die bekannten Kroketten. Damit sich die Futterbestandteile verbinden und feste Kroketten entstehen, ist hoher Druck notwendig. Er verdichtet die Bestandteile und sie verkleben regelrecht miteinander. Sie bewahren dadurch nach der Herstellung die Form. Bei der Kaltpressung entsteht ebenfalls eine erhöhte Temperatur. Allerdings beträgt diese höchstens etwa 80 ° C.

Vor- und Nachteile von kalt gepresstem Hundefutter

Kalt gepresstes Hundefutter hat Vorteile, allerdings auch zahlreiche Nachteile. Die Temperaturen, die beim Kaltpressverfahren entstehen, sind deutlich niedriger als beim Extrusionsverfahren. Auch das gesamte Herstellverfahren ist deutlich schonender bei der Kaltpressung. So bleiben die Inhaltsstoffe weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand. Kalt gepresstes Hundefutter ist damit „naturnah“. Vitamine, Mineralstoffe und andere wichtige Nährstoffe bleiben nahezu komplett enthalten und müssen nicht im Nachhinein künstlich ersetzt werden. Allerdings eignet sich diese Herstellungsart nur sehr bedingt für die Herstellung von Hundefutter, denn die Möglichkeiten sind deutlich begrenzter als beim Extrusionsverfahren.

Die Nahrung ist nicht aufgeschlossen

Kalt gepresstes Hundefutter hat allerdings auch deutliche Nachteile. Bei der Herstellung von Hundefutter unter hohen Temperaturen werden gleichzeitig gefährliche Keime abgetötet und das Futter wird dadurch steril. Dazu sind beim Kaltpressverfahren die Temperaturen zu gering. Die Nahrungsbestandteile bleiben sehr ursprünglich und naturnah. Doch genau das ist auch der Nachteil. Die Nahrung wird vorab nicht aufgeschlossen und so ist sie für den Hund schwer verdaulich und oft schlecht verträglich. Ein weiterer Nachteil von kalt gepresstem Hundefutter ist die deutlich geringere Haltbarkeit im Vergleich zum extrudierten Futter.

Kaltgepresstes Hundefutter ist besser für den Hund

Für welche Hunde ist kalt gepresstes Hundefutter geeignet?

Kalt gepresstes Hundefutter ist grundsätzlich für jeden Hund geeignet. Vorsicht sollte man allerdings walten lassen, wenn Hunde sehr futtersensibel sind und leicht an Verdauungsbeschwerden leiden. Durch das Herstellverfahren ist das Futter vorab nicht aufgeschlossen. Der Hund benötigt daher deutlich länger für die Verdauung. Ist er sehr sensibel, kann das zu Verdauungsbeschwerden wie Durchfall und vor allem Blähungen kommen. Für einen gesunden und aktiven Hund ist kalt gepresstes Hundefutter jedoch bestens geeignet. Man sollte jedoch immer vorsichtig sein bei der Futterumstellung. Sie sollte langsam erfolgen, damit man rasch erkennt, ob der Hund das neue Futter verträgt. Nicht optimal ist kalt gepresstes Hundefutter jedoch für Welpen, trächtige, säugende Hunde oder alte Tiere.

Proteine sind die Bausteine des Lebens

Wie auch alle anderen Futtersorten muss auch kalt gepresstes Hundefutter zu einem großen Teil aus Fleisch bestehen. Ideal ist ein Anteil von mindestens 75 Prozent. Fleisch ist der wichtigste Proteinlieferant. Der Hund als Fleischfresser benötigt täglich große Mengen davon, damit sein Stoffwechsel einwandfrei funktioniert. Eiweiß ist der Baustoff des Lebens. Ohne Eiweiß funktioniert weder der Auf- noch der Abbau der Zellen. Damit der Hund die Proteine optimal aufnehmen kann, ist es wichtig, dass es sich um leicht verdauliches Eiweiß handelt. Das ist etwa in Muskelfleisch enthalten. Damit Proteine vom Körper aufgenommen werden können, müssen sie in ihre Einzelteile zerlegt werden. Das passiert mittels Enzymen, die in der Bauchspeicheldrüse erzeugt werden. Die einzelnen Aminosäuren, in die Proteine aufgespalten werden, werden dann vom Blut aufgenommen und in die Organe weitertransportiert. Neben ihrer wertvollen Rolle als Baustoffe sind Proteine auch wichtig zur Energiegewinnung. Sie können kurzfristig für Energie sorgen, wenn nicht genug Kohlenhydrate zur Verfügung stehen.

Kohlenhydrate und Fette dürfen nicht fehlen

Neben der richtigen Menge an qualitativ hochwertigem Fleisch sollte kalt gepresstes Hundefutter auch die richtige Menge an Kohlenhydraten aufweisen. Der Hund benötigt nur einen geringen Kohlenhydratanteil in der Nahrung. Obst und Gemüse sind hier zur Versorgung völlig ausreichend. Ideales Gemüse sind Kartoffeln, Äpfel, Karotten, Süßkartoffel oder auch Topinambur. Nicht alle Obst- und Gemüsesorten sind für den Hund leicht verträglich. Durch die Kaltpressung werden die Kohlenhydrate nicht vorab aufgeschlossen und sind damit schwerer verdaulich. Kohlenhydrate liefern jedoch dem Hund nicht nur Energie, sie sorgen auch für eine leichtere Verdauung. Dafür sind die Ballaststoffe verantwortlich. Sie quellen im Darm und mischen sich mit dem Nahrungsbrei. Dieser wird weicher und lässt sich leichter ausscheiden. Der dritte notwendige Stoff, der in kalt gepresstem Hundefutter nicht fehlen darf, sind hochwertige Fette. Sie enthalten essenzielle Fettsäuren, die der Hund täglich benötigt, weil sie der Hundekörper nicht selbst herstellen kann. Fette sind für die Energiegewinnung wichtig. Daneben sind sie wichtige Bestandteile für den Stoffwechsel und vor allem für Haut und Fell. Sie wirken entzündungshemmend und versorgen auch die Nerven mit wertvollen Substanzen.

Der Hund braucht kein Getreide

Auf Getreide sollte auch in kalt gepresstem Hundefutter unbedingt verzichtet werden. Getreide diente früher als billiger Füllstoff. Leider wird es bis heute in vielen Trockenfuttersorten nach wie vor verwendet. Der Hund benötigt kein Getreide für ein gesundes und artgerechtes Leben. Getreide kann Unverträglichkeiten und Allergien begünstigen. Darüber hinaus sorgt es für Übergewicht. Getreide enthält sehr viele Kohlenhydrate. Das sorgt für einen Überschuss beim Hund. Er frisst mehr Nährstoffe, als er verbrauchen kann. Überschüssige Kohlenhydrate werden in Fett umgewandelt und dann im Hundekörper gespeichert. Übergewicht entsteht. Das belastet nicht nur innere Organe, sondern auch die Gelenke. Daneben kann es Erkrankungen wie Diabetes nach sich ziehen.

Kalt gepresstes Hundefutter wird gerne akzeptiert

Künstliche Konservierungsstoffe, Aroma und Farbstoffe sind bei kalt gepresstem Hundefutter im Normalfall nicht notwendig. Durch das schonende Herstellverfahren bleiben die meisten Nährstoffe enthalten und ein nachträgliches Coating ist nicht notwendig. Die Akzeptanz beim Hund ist zumeist optimal, weil kalt gepresstes Hundefutter auch nach natürlichem Futter riecht und schmeckt. Ebenso wie bei jedem anderen Trockenfutter muss auch beim kalt gepressten Futter der Hund mit seinen Zähnen arbeiten. Dabei werden Zahnbeläge abgerieben. Bei der Lagerung müssen Hundehalter allerdings darauf achten, dass das Hundefutter zeitnah verbraucht wird. Durch das Fehlen von Konservierungsstoffen verdirbt es rascher als herkömmliches Trockenfutter. Viele Hersteller bieten heute bereits kalt gepresstes Hundefutter an. Wichtig dabei ist jedoch nicht nur auf die Herstellung zu achten. Die Inhaltsstoffe sind auch bei kalt gepresstem Hundefutter von großer Bedeutung. Hundefutter ist nur dann gesund und artgerecht, wenn die Inhaltsstoffe den Bedürfnissen des Hundes entsprechen.


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