Anatolischer Hirtenhund

Anatolischer Hirtenhund
Anatolischer Hirtenhund | Foto: MichalMasik / Depositphotos.com

Der anatolische Hirtenhund gehört nicht zu den alltäglichen Hunden. Doch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass dieser Hund nicht zu den Exemplaren gehört, die überall als Hans-Dampf-in-allen-Gassen zu Wege sind. Sie sehen sehr freundlich aus und gehören zu den treu ergebenen Rassen. Aber nur ihrem Besitzer gegenüber. Nein, dieser Hund ist nicht für den „normalen“ Hundealltag geschaffen. Um sich einen anatolischen Hirtenhund anzuschaffen, ist es wichtig, sich nicht nur von seinem markanten Äußeren leiten zu lassen, sondern sich intensiv mit dieser Rasse auseinandergesetzt zu haben. Er ist etwas ganz Besonderes. Aber er fordert auch einiges von seinen Besitzer. Schauen wir gemeinsam, was es alles ist.

Charakter des Anatolischer Hirtenhund

Dieser Hund ist der Inbegriff von Eigenständigkeit. Er weiss um seine Eigenständigkeit und seine innere Stärke, sodass er die Situationen, die sich ihm bieten eigenständig analysiert und entsprechend reagiert – wie es IHM angemessen erscheint. Gleichzeitig gilt er als intelligent und leicht führig. Ebenso ist er stolz, vertrauenswürdig, seinem Besitzer gegenüber zu 100% loyal und wie viele Hirtenhunde extrem anhänglich.  Diese Eigenschaften gilt es, sich in jungem Alter zu Nutze zu machen, um den Hund bestmöglich zu sozialisieren. Nur so wird es später möglich sein, ihn in ein „normales“ Haus- und Hofleben zu integrieren. Erwachsene Hunde sind Fremden gegenüber ausgesprochen misstrauisch. Freunde der Familie, die regelmäßig zu Besuch kommen, müssen standesgemäß vorgestellt und als Familiemitglieder markiert werden, damit es nicht jedes Mal wieder zu Mißverständnissen zwischen dem eigenständig wirkenden Wachhund und dem Besuch kommt.

Anderen Hunden gegenüber ist er dagegen sehr dominant und sehr revierbezogen, sodass es nicht einfach ist, ihm den passenden Lebensraum anzubieten. Aus diesem Grunde raten viele Fachleute davon ab, diesen Hund in Deutschland weiter zu verbreiten.

Der geschichtliche Hintergrund des Anatolischer Hirtenhund

Die große, kräftige Hund ist in der Türkei weit verbreitet und gilt als Nationalhund. Die allgemeine Bezeichnung der Rasse wird in drei Unterrassen unterteilt:

  • Akbash
  • Karabash
  • Kangal, auch als Sivas-Kangal bezeichnet

Die Farben des Anatolischen Hirtenhundes

Für gewöhnlich trägt der Anatolische Hirtenhund ein dichtes, doppeltes Fell, das entweder mittellang oder lang getragen wird. Das Deckfell und das Unterfell bieten ihm perfekten Schutz bei Kälte, aber auch bei großer Wärme / Hitze.

Der Anatolische Hirtenhund trägt die Farben weiß bis hellbraun mit dunklen Malen am Kopf.

Welche Ansprüche stellt der Anatolischer Hirtenhund?

Der Anatolische Hirtenhund ist absolut anspruchslos. Er benötigt keine Heizung, kein weiches Schlafkissen. Dennoch nimmt er es oftmals als „nette Gabe“ seines Herrchens / Frauchens an. Spielzeug – nein, den Sinn dahinter versteht er nicht. Eigentlich möchte er von sich aus auch kein Geschirr und keine Leine benutzen müssen. Aber an diesen beiden Dingen ist kein Vorbeikommen. Selbiges kann für den Maulkorb gelten. Aber dieser ist nur bei Bedarf anzuwenden, wie bei allen anderen Hunden auch.

Einen Anspruch allerdings möchte der Anatolische Hirtenhund erfüllt wissen: Ausreichend Platz, möglichst ein eigenes Revier. Zudem wäre es gut, wenn er eine Aufgabe erhalten könnte, die ihn tatsächlich körperlich und geistig ausfüllt. Da er nicht wirklich der beste Kandidat für die verschiedenen Hundesportarten ist, ist es nicht ganz einfach, diese zu finden.

Der Anatolische Hirtenhund und seine Gesundheit

Der Anatolische Hirtenhund ist ein sehr robuster Hund, der für gewöhnlich keinerlei Probleme aufzeigt. Er gilt als absolut anspruchslos und pflegeleicht. Erbkrankheiten sind nicht bekannt.

Vor- und Nachteile des Anatolischen Hirtenhundes

Der Anatolische Hirtenhund ist ein eleganter, sehr großer Hund, der sich athletisch bewegt. Jedoch wurde er niemals auf Größe oder Stärke gezüchtet. Dies ist heute ein Vorteil für ihn. Was er an Größe und Kraft mitbringt, ist rein natürliche Veranlagung. Dadurch kann sie auch jederzeit abgerufen werden. Er ist stets hellwach und aufmerksam, wie seine Mimik in jeder Sekunde verrät. Er beobachtet sehr genau, sieht alles sehr scharf, doch bleibt er ruhig dabei.

Der Anatolische Hirtenhund benötigt eine starke Hund und einen Besitzer mit absolutem Hundeverstand.  Dieser muss in der Lage sein, den Hund von klein auf an zu sozialisieren, sodass er gesellschaftsfähig wird. DIESER HUND IST NICHT FÜR ANFÄNGER ODER HALTER MIT HALBWISSEN GEEIGNET !!

Der perfekte Mensch für einen Anatolischen Hirtenhund

Der perfekte Mensch für einen Anatolischen Hirtenhund ist ein ausgewiesener Fachmann für Hunde, der sich mit allen Raffinessen der Hundeerziehung, Hundeführung und Hundehaltung auskennt. Es ist wichtig, dass dieser Mensch genau weiß, was er tut, wenn er sich auf diesen Hund einlässt. Denn mit „einfacher Hundehaltung“ hat dies nichts zu tun. Es gibt nur Platz für einen Alpha und das ist IMMER der Mensch. Sollte der Anatolische Hirtenhund auch nur die kleinste Schwäche, die kleinste Lücke bei seinem Menschen finden, wird er sie nutzen und sich selbst zum Alpha machen. Ein Fehler, der nie wieder rückgängig gemacht werden kann. Was also auch immer passiert: Der Mensch muss achtsamer, schlauer, schneller und dominanter sein als sein Anatolischer Hirtenhund. Ein Wettkampf, der nicht einen Tag eingestellt werden wird und den der Mensch gewinnen muss, wenn er die Oberhand behalten will.

Der Mensch, der sich einen Anatolischen Hirtenhund zulegt, weiß darum, dass dieser sehr revierbezogen ist und deshalb keine anderen Hunde in seiner unmittelbaren Gegenwart duldet. Seine pure Präsenz und das Wissen, dass er definitiv extrem dominant ist, wird andere Hunde freiwillig von ihm fernhalten. Allerdings ist es auch die Aufgabe des Halters, auf ein Vermeiden von Begegnungen mit Hunden zu achten.

Dieser Mensch muss sich von vornherein bewusst sein, dass er täglich viel Zeit für seinen Hund investieren muss, damit dieser körperlich und geistig ausgelastet werden kann. Sicherlich würde er sich in der einen oder anderen Hundesportart gut machen. Da er sich in Hundegruppen leider nicht immer positiv präsentiert, kann er dieser Sportart oftmals nur alleine, also auf dem heimischen Hof oder in Einzelstunden nachkommen. Sicherlich gibt es auch Ausnahmen, diese sind jedoch eher rar.

Der perfekte Mensch muss nicht zwangsläufig ein Familienmensch sein, zumal der Hund nur dann einen guten Familienhund abgibt, wenn er wirklich gut erzogen worden ist. Als Einzelhund für den Einzelbesitzer, der gerne auf dem einsamen Hof auf dem Lande lebt, ist dieser Hund eine gute Option. Denn dort sind alle Gegebenheiten, die er benötigt gegeben: Ausreichend Platz auf dem Hof, Menschen und Tiere, die es zu beschützen gilt. Und absolut keine Konkurrenz von anderen Hunden. Die kann er nur dann akzeptieren, wenn er die Alphaposition inne haben darf.

Ein Anatolischer Hirtenhund in „seinem Element“. | Foto: hgfoto / Depositphotos.com

Der perfekte Mensch für diesen Hund liebt das Leben im Freien und in der Natur. Deshalb ist es ihm auch ein großes Bedürfnis, sich täglich stundenlang mit ihm zusammen zu beschäftigen.  Wenn dieser Mensch alles richtig macht, wird der Anatolische Hirtenhund sein wahrer Schatten.

Noch eines weiß der perfekte Mensch: Er ist sich darüber bewusst, dass es ihm obliegt, die „perfekten“ Lebensverhältnisse für dieses Tier zu schaffen. Daher muss er auch bereit sein, sich schlimmstenfalls auf das Land, auf ein eher abgelegenes Gehöft mit viel Wald drumherum zu begeben, damit es seinem Hund gut gehen kann. Nicht nur für den Besitzer kann ein Leben mit diesem Hund in einem eher dicht besiedelten Gebiet (wozu auch kleinere Dörfer gehören können) eine anstrengende Angelegenheit sein.

Und letztlich weiß der perfekte Mensch selbstverständlich, dass der Anatolische Hirtenhund in Deutschland zu den Listenhunden gehört und somit ohnehin von vielen Menschen argwöhnigsch begutäugt wird.

Die Welpen des Anatolischen Hirtenhundes kaufen

Wer sich tatsächlich dieser Herausforderung stellen möchte, sollte sich nicht nur sicher sein, sondern sich auch intensiv nach einem seriösen Züchter umschauen. Dieser wäre unter anderem beim VDH zu finden.

Nutzen Sie die Verbindung zum Züchter, um so viele Informationen über diesen Hund zu sammeln, wie es nur geht. Der Hund ist kein einfacher Zeitgenosse, der von Anfang an korrekt behandelt, souverän und mit liebevoll, konsequenter Hand erzogen und geführt werden sollte. Damit tatsächlich alles gut geht, ist es wichtig, dass man bereits unter der versierten Aufsicht des Züchters die ersten Bindungen knüpft und schauen kann, wie man miteinander auskommt.

Die Welpen des Anatolischen Hirtenhundes können ab EURO 800 übernommen werden.

ABER DENKEN SIE IMMER DARAN, DIESEM HUND AUCH GERECHT WERDEN ZU KÖNNEN, MIT IHM KORREKT UMGEHEN ZU KÖNNEN. ALLES ANDERE WÄRE AUGENWISCHEREI.

Erste Ausstattung für den Anatolischen Hirtenhund 

  • Hundehalsband
  • Hundegeschirr
  • Hundeleine, zusätzlich eventuelle eine Schleppleine
  • Wasser- und Futternapf, möglichst leicht zu reinigen
  • Hundebett / Decke für den Liegeplatz
  • Langhaarbürste
  • Unterfellbürste
  • Hundekamm / Läusekamm
  • eventuell Schermaschine (Diese sollte aber nur zum Einsatz kommen, wenn man sie auch wirklich beherrscht. Grundsätzlich ist es eher nicht notwendig, den Anatolischen Hirtenhund zu scheren!)
  • Hundefutter
  • eventuell Spielzeug
  • eventuell Leckerlis

Hundefutter für den Anatolischen Hirtenhund 

Aufgrund seiner züchterischen Merkmale ist der Anatolische Hirtenhund ein perfekter Kandidat für das BARFEN. Sollte er mit anderem Hundefutter, naß, trocken oder eine Kombination aus beidem, gefüttert werden, ist auf jeden Fall auf eine gute Qualität zu achten.

Fazit

Der Anatolische Hirtenhund ist ein sehr schön anzuschauender Hund, keine Frage. Doch gibt es für ihn aufgrund seiner Revieransprüche, seiner einsiedlerählichen Lebensweise und seiner Dominanz anderen Hunden in Deutschland kaum wirklich einen artgerechten Lebensraum. Sicherlich ist es möglich, dass ein versierter Hundemensch mit langjähriger Erfahrung in der Haltung von so genannten Listenhunden es von Anfang an schafft, den Antatolischen Hirtenhund derart zu sozialisieren, dass er, und nur er, bestens die Alpha-Position in dieser Hunde-Mensch-Beziehung einnimmt.

Dennoch kann sein ursprünglicher Charakter ungewollt durch einen nicht eingeplanten Auslöser wieder zum Vorschein kommen können. Dies kann ein kleiner, kläffender Hund oder weglaufendes Wildtier sein. Mit einem Anatolischen Hirtenhund muss man immer achtsam sein und zugleich achtsamer als der Hund selber. Eine schwierige Aufgabe! Fachleute raten aus diesen Gründen davon ab, sich in Deutschland einen Anatolischen Hirtenhund zu zulegen. Und doch gibt es sie hier und da und sogar manchmal in der Stadt, wo sie überhaupt nicht hingehören!

Wer stets zum Wohle des Hundes entscheiden möchte, sollte sich, solange er in einem dicht besiedelten Gebiet lebt, von der Vorstellung einen Anatolischen Hirtenhund zu besitzen, verabschieden. Es ist schwer dem Hund gerecht zu werden, selbst auf dem Lande mit eigenem, großem, gut und weiträumig eingezäuntem Gelände. In Deutschland ist irgendwie alles ein wenig zu klein für ihn.

FAQ

🐶 Wie viel kostet ein Anatolischer Hirtenhund?

Ein Anatolischer Hirtenhund kann ab EURO 800 übernommen werden. Je nach Zuchtlinie kann der Preis aber auch wesentlich höher liegen.

🐶 Wie alt wird der Anatolische Hirtenhund?

Diese Hunde können ein hohes Alter von 12 Jahren erreichen.

🐶 Wie groß und schwer wird der Anatolische Hirtenhund?

Rüden weisen eine Widerristhöhe von 74 bis 81 Zentimetern auf. Hündinnen bringen es auf 71 bis 79 Zentimeter.

Rüden werden zwischen 50 und 65 Kilogramm schwer. Hündinnen sind wesentlich leichter und werden zwischen 40 und 55 Kilogramm auf die Waage bringen.

🐶 Wie viele Welpen bekommt der Anatolische Hirtenhund?

Der anatolische Hirtenhund kann biszu 12 Junge in einem Wurf zur Welt bringen.

🐶 Ist der Anatolische Hirtenhund ein Jagdhund?

Der Anatolische Hirtenhund entstammt allen Vermutungen nach einer Linie von Jagdhunden, die in Mesopotamien bereits vor Jahrhunderten gezüchtet wurden und die dortigen Menschen lange Jahre begleitet haben. Im Laufe der Zeit jedoch ist aus dem Jagdhund ein Hütehund geworden, der sowohl die Herden, als auch die Nomaden bzw. Halbnomaden der Region nicht nur vor Wölfen und anderen Raubtieren beschützt hat.

Heute wird er überwiegend als Hütehund, manchmal als Wachhund eingesetzt.

🐶 Ist der Anatolische Hirtenhund ein Familienhund?

Der anatolische Hirtenhund ist durchaus im Stande, sich in die Familienstruktur zu integrieren. Allerdings muss dafür die Voraussetzung erfüllt werden, dass er ausreichend ausgelastet wird. Grundsätzlich ist er seinem Herrchen / Frauchen treu ergeben. Doch bedarf es dafür der liebevoll, konsequenten Führung sowie ausreichender Bewegung und geistiger Auslastung.

Ja, es ist richtig, dass er gelegentlich auf der Liste der gefährlichen Hunde einer Region auftaucht. Dies lässt sich natürlich schnell beim Amt herausfinden. Mit viel Hundeverstand und einer guten Hund für die Führung und Haltung des Tieres kann aber auch dieser Hund zu einem tollen Familienmitglied werden. Nur bei kleinen Kindern sollte Achtsamkeit an der Tagesordnung stehen. Denn auch die Reizschwelle eines Hirtenhundes ist irgendwann einmal überschritten.

🐶 Kann der Anatolische Hirtenhund in einer (Stadt-)wohnung gehalten werden?

Der Anatolische Hirtenhund sollte auf keinen Fall in einer Wohnung gehalten werden. Diese würde ihn zu sehr einengen. Noch weniger sollte man auf die Idee kommen, ihn in der Stadt zu halten. Das Problem wäre nicht einmal seine Erziehung. Doch können in der Stadt zu schnell, zu viele Ereignisse aufeinander folgen, die den Hund eine Gefahrensituation vermuten lassen könnten. Nicht unbedingt würde er dieser knurrend und zähnefletschend begegnen. Doch würde er seinen Unmut darüber durchaus lautstark und sehr präsent zum Ausdruck bringen. Zudem ist er aufgrund seiner Dominanz nicht wirklich kompatibel mit anderen Hunden. Dies könnte schnell zu Zusammenstößen mit anderen Hunden in der Stadt führen.

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